Beteiligungskapital

Die meisten Menschen in Deutschland sind - oft ohne es zu wissen - längst mit Beteiligungskapital in Berührung gekommen. Möglicherweise haben Sie eine Altersvorsorge oder Lebensversicherung, die auch in Private Equity-Fonds investiert. Vielleicht arbeiten Sie aber auch in einem der vielen aktuell oder früher mit Beteiligungskapital finanzierten Unternehmen oder sind dessen Kunde. Douglas, Hussel, Eismann Tiefkühl Service, Zalando, Lieferheld, Schleich, Metabo, Compo, Verivox, Rodenstock, Interhyp, FlixBus – die Liste ist lang.

Beteiligungskapital – im Englischen Private Equity genannt -  steht für das Kapital, das überwiegend institutionelle Anleger über Beteiligungsgesellschaften in nicht-börslich gehandelte Unternehmen investieren. Beteiligungsgesellschaften bzw. die von ihnen verwalteten Fonds übernehmen Anteile von Unternehmen, von denen sie glauben, dass diese in Zukunft an Wert gewinnen. Das können zum Beispiel mittelständische Familienunternehmen, Konzerntöchter oder kleine Start-ups sein.

Gründe für den Verkauf von Unternehmensanteilen an Private Equity-Fonds gibt es viele: Unternehmer wollen sich im Rahmen einer Nachfolgeregelung von ihren Anteilen trennen, ein Konzern möchte eine Tochtergesellschaft ausgliedern, die nicht mehr zur künftigen Gesamtstrategie passt, oder Jungunternehmen brauchen Kapital um mit ihren Ideen Unternehmen zu gründen. Mit dem Einstieg der Beteiligungsgesellschaften eröffnen sich für die Unternehmen zahlreiche neue Möglichkeiten. Sie können mit dem zusätzlichen Kapital neue Produkte entwickeln, Märkte erschließen oder Wettbewerbsunternehmen akquirieren. Das Ziel der Beteiligungsgesellschaften dabei: Unternehmen besser und wettbewerbsfähiger und damit wertvoller machen.

Beteiligungskapital hat eine große volkswirtschaftliche Bedeutung. Beteiligungsgesellschaften sorgen dafür, dass notwendiges Kapital und Know-how nach Deutschland fließt und tragen somit maßgeblich zur Sicherung des Wachstums und zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen bei. Sie unterstützen damit vor allem die Entstehung neuer Unternehmen und stärken deutsche Mittelständler – Beteiligungskapital ist in Anbetracht seiner wichtigsten Zielunternehmen deshalb vor allem ein Instrument der Gründungs- und Mittelstandsfinanzierung.

Ein Großteil des Kapitals für Private Equity-Fonds kommt aus Großbritannien, den USA und Kanada. Grund dafür ist das dort herrschende Rentensystem, das – anders als bei uns – nicht auf einem Umlagesystem, sondern ausschließlich auf Pensionsfonds basiert. Diese verwalten die eingezahlten Beiträge ihrer Versicherten und legen Teile davon gewinnbringend maßgeblich in Beteiligungskapital an. Durch die von ihnen erzielten, oft zweistelligen Renditen sichern sie vielen Arbeitnehmern ihre Rente. Institutionelle Investoren (wie z.B. die Versicherungen, Banken oder Pensionsfonds) sind die Kapitalgeber für Beteiligungsgesellschaften. Die Anlageklasse Private Equity hat sich als fester Bestandteil institutioneller Anlagestrategien etabliert. Denn praktisch alle institutionellen Investoren (wie z.B. Versicherungen und Banken) sind als Kapitalgeber für Beteiligungsgesellschaften und ihre Fonds aktiv. Zudem investieren viele Institutionen wie Banken und Sparkassen direkt über eigene Tochtergesellschaften Beteiligungskapital in Unternehmen. Aber auch der Staat und die Förderbanken der einzelnen Bundesländer sind als Investoren in Private Equity-Fonds oder als direkte Beteiligungskapitalgeber für Unternehmen aktiv.