BVK: Deutscher Beteiligungskapitalmarkt mit Rekordjahr 2019

Neues aus dem BVK
25.02.2020

"2019 war für den deutschen Beteiligungskapitalmarkt ein Rekordjahr. Sowohl Investitionen und auch Fundraising erreichten neue Rekordwerte", sagt Ulrike Hinrichs, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) zur heute veröffentlichten vorläufigen Statistik für den deutschen Private Equity und Venture Capital-Markt. „Im letzten Jahr investierten Beteiligungsgesellschaften in Deutschland insgesamt 14,3 Mrd. € und damit knapp ein Fünftel mehr als im Vorjahr“, so Ulrike Hinrichs weiter. Die Jahre 2017 und 2018 konnten bereits mit 11,7 bzw. 12,0 Mrd. € zwischenzeitliche Höchstwerte verzeichnen. Im Jahresverlauf wurden knapp 1.000 Unternehmen mit Beteiligungskapital finanziert.

Aufwärtstrend bei Venture Capital hält an

Nachdem bereits in den letzten Jahren ein klarer Aufwärtstrend bei den Investitionen von Venture Capital-Gesellschaften zu erkennen war und 2018 insgesamt 1,5 Mrd. € investiert wurden, konnte dieser Trend 2019 fortgesetzt werden. Die Venture Capital-Investitionen stiegen auf 1,7 Mrd. €. Rund 570 Startups und junge Unternehmen wurden finanziert, die damit rund 60 Prozent aller im Jahresverlauf finanzierten Unternehmen ausmachten. „Für das deutsche Startup-Ökosystem sind dies gute Nachrichten. Die deutsche Venture Capital-Szene ist in den letzten Jahren gereift und die Zahlen sprechen für die Attraktivität deutscher Startups“, zeigt sich Dr. Regina Hodits, Vorstandssprecherin des BVK, erfreut. „Allerdings ist der Abstand zu den USA oder Asien weiterhin immens. Zudem sind es nach wie vor ausländische Venture Capital-Gesellschaften, die das Gros der Mittel in Deutschland bereitstellen. Ausländisches Kapital ist willkommen, allerdings muss es unser Anspruch sein, eine eigene schlagkräftige Venture Capital-Szene zu etablieren, wofür aber auch insbesondere bei deutschen institutionellen Investoren mehr Kapital für Venture Capital mobilisiert werden muss.“

Buy-Outs überschreiten 10 Mrd. €-Grenze

Die Buy-Out-Investitionen erreichten mit 10,6 Mrd. € erstmals in der Geschichte einen zweistelligen Wert. Gleichzeitig übertrafen sie die bereits investitionsstarken Vorjahre (2017: 8,4 Mrd. €, 2018: 8,3 Mrd. €) um rund ein Viertel. „Dieses Rekordergebnis hatte sich bereits im Jahresverlauf angekündigt, da wir in diesem Jahr wieder viele sehr große Transaktionen sehen konnten“, ergänzt Hinrichs. Zu nennen sind zum Beispiel die Übernahmen von Ifco Systems, Röhm, Robert Bosch Packaging, Adco, AutoScout24 oder Axel Springer. „Auf Verkäuferseite haben wir anders als in den Vorjahren vor allem Strategen sowie Familien und Unternehmer gesehen. Dies spricht für die Attraktivität von Private Equity“. Trotz eines weiterhin sehr aktiven Mittelstandsgeschäfts sank die Zahl der Transaktionen von 176 auf 146. „Das Umfeld für Buy-Outs bleibt aber positiv. Wirtschaftslage, Finanzierungsumfeld, verfügbares Kapital und die hohe Akzeptanz von Private Equity sprechen für Beteiligungsgesellschaften, auch wenn das Bewertungsniveau weiterhin herausfordernd ist“.

Bei den in der Regel mittelstandsorientierten Minderheitsbeteiligungen (Wachstums-, Replacement- und Turnaround-Finanzierungen) gingen die Investitionen allerdings leicht zurück. Nachdem 2018 noch 2,2 Mrd. € investiert wurden, waren es im letzten Jahr 1,9 Mrd. €.

Fundraising mit Sprung

Deutsche Beteiligungsgesellschaften konnten 2019 so viel neue Fondsmittel bei Investoren einsammeln wie noch nie. Das Fundraising erreichte 5,2 Mrd. € und damit fast ein Viertel mehr als im bereits erfolgreichen Vorjahr (4,2 Mrd. €). „Das Fundraising-Umfeld ist aktuell so vorteilhaft wie nie. Dies führt nicht nur international, sondern auch in Deutschland zu einem starken Zufluss vor allem institutionellen Kapitals in alternative Anlageklassen wie Private Equity und Venture Capital, das in der Niedrigzinsphase nach rentierlichen Anlagen sucht“, erläutert Hinrichs. Sowohl Buy-Out-Fonds als auch Venture Capital-Fonds konnten mehr Kapital einsammeln. Auf Venture Capital-Fonds entfielen 2,9 Mrd. € der neuen Mittel und auf Buy-Out-Fonds 2,1 Mrd. €. „Einheimische Fonds sind zunehmend in der Lage, das Investoreninteresse auf Deutschland zu lenken. Die Fondsgrößen steigen“, so Hinrichs weiter.

Ausblick auf 2020

„Wir sind optimistisch mit Blick auf 2020. Das wirtschaftliche Umfeld zeigt sich trotz konjunktureller Bedenken und der Wirtschaftskonflikte robust. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage nach Beteiligungskapital stabil“, blickt Hinrichs voraus. „In Deutschland sind mehr als 5.000 Unternehmen mit Beteiligungskapital finanziert. Dies ist ein solides Fundament für unsere Branche. Und das Interesse ist ungebrochen bei Gründern und Mittelständlern.“

Die statistischen Daten unterliegen fortlaufender Aktualisierung und können von früheren und späteren Auswertungen abweichen.

Fragen & Antworten zur BVK-Statistik 2019:

1. Wie entwickelten sich die Investitionen in den einzelnen Marktsegmenten?

Im Venture Capital-Segment investierten Beteiligungsgesellschaften mit 1,74 Mrd. € deutlich mehr als im Vorjahr (1,5 Mrd. €). 570 Unternehmen wurden mit Venture Capital finanziert. Wachstumsfinanzierungen (Growth) und weitere Minderheitsbeteiligungen (Replacement, Turnaround) summierten sich auf 1,94 Mrd. €, was einen Rückgang zum Vorjahr (2,22 Mrd. €) bedeutet. Buy-Outs machten mit 74 % wieder den Großteil der Investitionen aus. Ihr Volumen stieg zudem ebenfalls im Vergleich zum Vorjahr (8,31 Mrd. €) auf 10,63 Mrd. € und erreichte erstmal einen zweistelligen Wert. Die Transaktionszahl blieb mit 146 auf weiterhin hohem Niveau aber unter dem Vorjahreswert (176).

2. Welche Unternehmen werden hauptsächlich mit Beteiligungskapital finanziert?

Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen werden durch Beteiligungskapital unterstützt. 92 % der im Jahresverlauf finanzierten Unternehmen mit bekannter Beschäftigtenzahl beschäftigten weniger als 500 Mitarbeiter, 74 % weniger als 100 Mitarbeiter. Sieben von zehn Unternehmen setzten weniger als 10 Mio. € um und nur 6 % mehr als 100 Mio. €.

3. In welchen Regionen wurde hauptsächlich investiert?

Die Verteilung der Investitionen nach Bundesländern wird stark durch sehr große Transaktionen beeinflusst. An der Spitze der Bundesländer steht Bayern (27 %) vor Berlin (22 %), Hessen (16 %) und Nordrhein-Westfalen (12 %). Nach der Anzahl der finanzierten Unternehmen bilden Berlin (219) vor Bayern (194) und Baden-Württemberg (101) die Top3.

4. In welche Branchen wurde hauptsächlich investiert?

Die IKT-Branche liegt mit rund 34 % der Investitionen mit deutlichem Abstand an der Spitze und profitiert dabei u.a. von den stark gestiegenen Venture Capital-Investitionen in diesem Bereich. Dahinter folgen mit deutlichem Abstand die Branchen Unternehmensprodukte und -dienstleistungen sowie Konsumgüter und -services mit jeweils 18 %.

5. Wie haben sich die Beteiligungsverkäufe entwickelt?

Das Volumen der Beteiligungsverkäufe ging gegenüber dem Vorjahr (4,3 Mrd. €) um 45 % auf 2,35 Mrd. € zurück. Nachdem 2018 noch Verkäufe an andere Beteiligungsgesellschaften der wichtigste Exit-Kanal waren, standen 2019 Trade Sales mit 45 % des Exit-Volumens an der Spitze. Dahinter folgen Verkäufe an Beteiligungsgesellschaften mit 31 % und Verkäufe über die Börse (IPO oder Aktienverkäufe) mit 8 %.

6. Wie entwickelte sich das Fundraising?

Das Fundraising übertraf mit einem neuen Rekordwert von 5,22 Mrd. € das Vorjahr (4,21 Mrd. €) um 24 %. Davon entfiel mehr als die Hälfte auf Venture Capital-Fonds, deren neue Mittel von 1,19 Mrd. € auf 2,94 Mrd. € sprangen. Buy-Out-Fonds sammelten 2,12 Mrd. € ein, nach 2,26 Mrd. € im Vorjahr. Fonds mit dem Fokus Wachstums- und Minderheitsbeteiligungen und Mezzanine sowie Generalisten sammelten 0,16 Mrd. € ein, nachdem es im Vorjahr noch 0,76 Mrd. € waren.