Deutscher Beteiligungskapitalmarkt auch 2018 in starker Verfassung

Neues aus dem BVK
26.02.2019

"Im Jahr 2018 investierten Beteiligungsgesellschaften in Deutschland insgesamt 9,6 Mrd. €. Nach dem Rekordjahr 2017 hat der deutsche Beteiligungskapitalmarkt damit erneut seine Stärke unterstrichen", sagt Dr. Christian Stoffel, Sprecher des Vorstandes des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) auf der Pressekonferenz zur heute veröffentlichten vorläufigen Statistik für den deutschen Private Equity-Markt 2018. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies zwar einen Rückgang um 18 Prozent. „Allerdings war 2017 auch ein herausragendes Rekordjahr“, ergänzt Stoffel. „Und das Investitionsniveau der Jahre davor konnte deutlich übertroffen werden.“ Im Jahresverlauf wurden gut 1.200 Unternehmen mit Beteiligungskapital finanziert.

Aufschwung bei Venture Capital geht weiter

Venture Capital-Gesellschaften zeigten sich 2018 ausgesprochen investitionsfreudig. Nachdem bereits in den Jahren 2016 und 2017 mit 1,1 Mrd. € bzw. 1,3 Mrd. € die Milliarden-Grenze übertroffen werden konnte, setzt das abgelaufene Jahr diesen positiven Trend fort. Die Venture Capital-Investitionen stiegen auf 1,4 Mrd. €. Gut 680 Startups wurden finanziert, die damit erneut mehr als die Hälfte aller im letzten Jahr finanzierten Unternehmen ausmachten. „Der nun schon fünf Jahre andauernde Aufwärtstrend bei den Venture Capital-Investitionen hält erfreulicherweise an“, zieht das Geschäftsführende Vorstandsmitglied Ulrike Hinrichs ein positives Fazit. „Die deutsche Venture Capital-Szene ist in den letzten Jahren gewachsen und auch das Interesse internationaler Investoren an deutschen Startups ist ungebrochen. Jetzt gilt es, mit ausreichendem Kapital nicht nur die Breite zu finanzieren, sondern internationale Champions in Deutschland zu formen. Hierfür muss aber insbesondere bei deutschen institutionellen Investoren deutlich mehr Kapital für Venture Capital mobilisiert werden.“

Buy-Outs: Nach Rekord im Jahr 2017 folgt Investitionsrückgang

Die Buy-Out-Investitionen erreichten 6,74 Mrd. € und damit 20 Prozent weniger als im herausragenden Vorjahr mit 8,42 Mrd. €. „Eine Wiederholung des Rekordergebnisses aus dem Vorjahr wäre eine Überraschung gewesen. Ein Rückgang hatte sich schon im Sommer angedeutet“, schränkt Stoffel ein. Insbesondere die Zahl der sehr großen Übernahmetransaktionen lag unter dem Vorjahreswert, als mit der Übernahme von STADA auch noch der größte Buy-Out aller Zeiten in Deutschland erfolgte. Aber auch 2018 brachte einige herausragende Transaktionen, etwa bei Techem oder SUSE. Die Zahl aller Buy-Outs blieb mit 149 nach 153 nahezu unverändert. „Das Umfeld für Buy-Outs ist insgesamt sehr positiv: eine weiterhin gute Wirtschaftslage, ein vorteilhaftes Finanzierungsumfeld, gut gefüllte Fonds. Demgegenüber steht ein herausforderndes Bewertungsniveau und die Konkurrenz durch andere Käufergruppen“, beschreibt Stoffel die Lage im Buy-Out-Markt. „Hier gilt es für die Gesellschaften, weiterhin zum erfolgreichen Geschäft ihrer Portfoliofirmen und zum Wachstum beizutragen und damit eine gute Alternative zu anderen Käufergruppen zu sein.“

Bei den in der Regel mittelstandsorientierten Minderheitsbeteiligungen (Wachstums-, Replacement- und Turnaround-Finanzierungen) gingen die Investitionen ebenfalls zurück. Diese erreichten 1,48 Mrd. € - nach 1,96 Mrd. € im Jahr 2017.

Fundraising unverändert gut

Beim Fundraising konnten die deutschen Beteiligungsgesellschaften das Niveau der Vorjahre nicht ganz erreichen. Mit 2,74 Mrd. € lag dieses 11 % unter dem Niveau des Vorjahres, als 3,08 Mrd. € eingesammelt wurden. Dabei ist die Zahl neuer Fonds sogar leicht angestiegen. „2017 wurden jedoch mehr sehr große Fonds geschlossen“, erläutert Hinrichs. Sowohl Buy-Out-Fonds als auch Venture Capital-Fonds mussten Rückgänge hinnehmen. „Trotz dieses Rückgangs sehen wir ein anhaltend großes Interesse von institutionellen Investoren an Private Equity und Venture Capital. Die Herausforderung liegt darin, dieses Interesse noch stärker auf Deutschland zu lenken“, so Hinrichs weiter.

Ausblick auf 2019

„Die Nachfrage nach Beteiligungskapital ist ungebrochen“, zeigt sich Hinrichs optimistisch. Als Finanzierungsoption und Wachstumsmotor ist es bei Gründern und Mittelständlern weithin akzeptiert. In Deutschland sind mehr als 5.000 Unternehmen mit Beteiligungskapital finanziert, wobei die große Mehrheit weniger als 500 Mitarbeiter beschäftigen. „Der Markt agiert auf einem stabilen Niveau und der Ausblick auf 2019 fällt deshalb ebenso positiv aus wie im Vorjahr. Stabile konjunkturelle und politische bzw. geopolitische Rahmenbedingungen vorausgesetzt, sollte das laufende Jahr wieder sehr erfolgreich für unsere Branche werden“, blickt Stoffel voraus.

Die Stimmung im Markt ist von Optimismus geprägt. Dies zeigt auch das German Private Equity Barometer, das gemeinsam von BVK und KfW veröffentlichte Stimmungsbarometer für die Branche. Auch wenn in der zweiten Jahreshälfte der Branchenoptimismus etwas nachließ, zeigte sich für das Jahr 2018 im Jahresmittel das bisher beste Geschäftsklima seit Start des Barometers im Jahr 2003. „Dieser Optimismus dürfte auch 2019 kennzeichnen und sich in den Investitionen niederschlagen“, fasst Stoffel zusammen.

Die ausführliche, vorläufige Beteiligungsmarktstatistik 2018 (Datenstand Februar 2019) finden Sie hier zum Download. Die statistischen Daten unterliegen fortlaufender Aktualisierung und können von früheren und späteren Auswertungen abweichen.

Fragen & Antworten zur BVK-Statistik 2018:

Wie entwickelten sich die Investitionen in den einzelnen Marktsegmenten?

Im Venture Capital-Segment investierten Beteiligungsgesellschaften mit 1,37 Mrd. € etwas mehr als im Vorjahr (1,31 Mrd. €). 684 Unternehmen wurden mit Venture Capital finanziert. Wachstumsfinanzierungen (Growth) und weitere Minderheitsbeteiligungen (Replacement, Turnaround) summierten sich auf 1,48 Mrd. €, was einen Rückgang zum Vorjahr (1,96 Mrd. €) bedeutet. Buy-Outs machten mit 70 % wieder den Großteil der Investitionen aus. Ihr Volumen ging jedoch deutlich im Vergleich zum Rekordvorjahr (8,42 Mrd. €) auf 6,74 Mrd. € zurück. Die Transaktionszahl blieb mit 149 nahezu unverändert (153).

Welche Unternehmen werden hauptsächlich mit Beteiligungskapital finanziert?

Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen werden durch Beteiligungskapital unterstützt. 96 % der im Jahresverlauf finanzierten Unternehmen mit bekannter Beschäftigtenzahl beschäftigten weniger als 500 Mitarbeiter, 78 % sogar weniger als 100 Mitarbeiter. Sieben von zehn Unternehmen setzten weniger als 10 Mio. € um und nur 5 % mehr als 100 Mio. €. Die mehr als 5.000 mit Beteiligungskapital finanzierten Unternehmen in Deutschland beschäftigen gut eine Millionen Mitarbeiter und setzen insgesamt 194 Mrd. € um.

In welchen Regionen wurde hauptsächlich investiert?

An der Spitze der Bundesländer steht Baden-Württemberg (18 %) knapp vor Berlin (18 %), Hessen (16 %) und Bayern (15 %). Nach der Anzahl der finanzierten Unternehmen bleiben Bayern mit 232 Unternehmen zusammen mit Berlin (208) und Baden-Württemberg (194) die Top3.

In welche Branchen wurde hauptsächlich investiert?

Jeweils knapp ein Viertel der Investitionen floss in Unternehmen aus dem IKT-Bereich und der Branche Unternehmensprodukte und -dienstleistungen. Weitere größere Anteile flossen in die Bereiche Biotechnologie/Healthcare (16 %) und Energie/Umwelt (13 %).

Wie haben sich die Beteiligungsverkäufe entwickelt?

Das Volumen der Beteiligungsverkäufe ging gegenüber dem Vorjahr (5,71 Mrd. €) um gut 40 % auf 3,21 Mrd. € zurück. Nachdem 2017 noch Trade Sales der wichtigste Exit-Kanal waren, standen 2018 Verkäufe an andere Beteiligungsgesellschaften mit 38 % des Exit-Volumens an der Spitze. Knapp dahinter folgen Trade Sales mit 34 %. Verkäufe über die Börse (IPO oder Aktienverkäufe) erreichten mit 12 % ebenfalls einen zweistelligen Anteil.

Wie entwickelte sich das Fundraising?

Das Fundraising blieb mit 2,74 Mrd. € knapp unter dem Vorjahresniveau (3,08 Mrd. €). Davon entfiel fast die Hälfte auf Venture Capital-Fonds. Hier sank das Fundraising allerdings von 1,61 Mrd. € auf 1,23 Mrd. €. Das Buy-Out-Fundraising fiel ebenfalls von 1,03 Mrd. € auf 0,83 Mrd. €. Fonds mit dem Fokus Wachstumsfinanzierungen und Minderheitsbeteiligungen sammelten 0,4 Mrd. € ein, Generalisten weitere 0,29 Mrd. €.