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Private Equity Stifterkreis

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IPO-Umfrage 2005 des BVK: Beteiligungsgesellschaften fordern neues KMU-Segment

22. Juli 2005

[Pressemitteilung vom 22. Juli 2005]

  • 108 Portfoliounternehmen als börsenreif klassifiziert
  • Noch 10 Börsengänge in 2005 erwartet
  • Vorhandene Börsensegmente für kleine und mittlere Unternehmen nicht ausreichend geeignet
  • Die deutschen Private Equity-Gesellschaften verfügen nach eigener Einschätzung über zahlreiche börsenfähige Unternehmen in ihren Portfolios. Kritisiert wird von der Branche aber die ungenügende Eignung der bestehenden deutschen Börsensegmente für den Börsengang von wachstumsstarken kleinen und mittelgroßen Unternehmen (KMU). Dies ist das Ergebnis der IPO-Umfrage 2005, die der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften – German Private Equity and Venture Capital Association e. V. (BVK) durchgeführt hat. Insgesamt 106 Private Equity-Gesellschaften gaben darin ihre Einschätzung zur aktuellen Börsensituation ab. Bereits in der Vorgängerstudie aus dem Jahr 2004 kamen die befragten Beteiligungsgesellschaften zu einem vergleichbaren Ergebnis.

    Erhebliches IPO-Potenzial für die nächsten 18 Monate

    In den Portfolios finden sich derzeit 108 nach Einschätzung der Beteiligungsgesellschaften börsenfähige Unternehmen mit ausreichender Reife für einen Börsengang. Insgesamt gaben 52 Gesellschaften an, mindestens einen IPO-Kandidaten im Portfolio zu haben. Befragt nach den konkreten Börsenvorbereitungen teilten 16 Beteiligungsgesellschaften mit, bei 20 Unternehmen den IPO für das Jahr 2005 vorzubereiten. Bei weiteren 39 Unternehmen wird der IPO für das Jahr 2006 angestrebt.

    Hälfte der IPO-Kandidaten mit Private Equity finanziert

    „Sechs der neun Unternehmen, die seit 2004 an den Prime und General Standard gingen, waren im Vorfeld mit Private Equity finanziert worden“, erklärt Michael Phillips, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des BVK. Wincor Nixdorf, Epigenomics, PAION, Premiere, Conergy und MTU Aero Engines waren durch eine Venture Capital-Finanzierung oder einen Buy-out finanziert worden. „Von den derzeit diskutierten IPO-Kandidaten der Jahre 2005 und 2006 ist rund die Hälfte mit Private Equity finanziert.“

    Deutschland braucht neues Börsensegment für KMU

    Nach wie vor stufen die Beteiligungsgesellschaften die derzeitige Börsenstruktur in Deutschland als unzureichend ein. Als Hauptgründe für die anhaltende IPO-Schwäche sehen die Beteiligungsgesellschaften die allgemein schlechte Stimmung im Kapitalmarkt, fehlende Unternehmen und fehlende Investoren für eine erfolgreiche Platzierung sowie die nachteilige Börsensegmentierung. Fast 60 Prozent der befragten Beteiligungsgesellschaften bewerten die derzeitige Börsenstruktur für den IPO von KMU mit der Note Vier oder schlechter. Ein Drittel beurteilt die Eignung zumindest noch als befriedigend. „Die Beteiligungsgesellschaften betrachten die Einführung eines eigenen Börsensegments für kleine und mittlere wachstumsstarke Unternehmen am Finanzplatz Deutschland – einen ‚Neuen Neuen Markt’ – als dringend notwendig“, so Phillips. „Die Nachfrage unserer Branche und der Unternehmen ist da. Zulassungsregeln, Folgepflichten und Kosten der Notierung sollten sich an den Anforderungen kleiner und mittlerer Unternehmen orientieren.“ 57 Gesellschaften votierten für ein neues deutsches KMU-Segment, darunter 22, die eine Parallellösung aus einem deutschem und einem europäischen KMU-Segment bevorzugen. Die derzeitige Struktur mit Prime und General Standard sowie die regionalen Initiativen wie M:access (Börse München) werden nur von einer Minderheit als ausreichend eingestuft.

    Private Equity-Branche, Portfoliounternehmen und Börse haben eine gegenseitige Impulswirkung.

    Die vorherige Private Equity-Finanzierung und die Managementunterstützung tragen maßgeblich zur Börsenfähigkeit und -reife der Unternehmen bei. „Viele Beteiligungsgesellschaften erwirtschaften über Börsengänge und Aktienverkäufe einen maßgeblichen Teil ihrer Rendite. Portfoliounternehmen erschließen sich durch den Börsengang neue Finanzierungsquellen für weiteres Wachstum“, stellt BVK-Vorstandsmitglied Friedrich Bornikoel klar. Doch die befragten Beteiligungsgesellschaften bescheinigen der Börse eine sehr viel größere Bedeutung für den gesamten Private Equity-Markt als für das Geschäft der eigenen Gesellschaft. „Beteiligungsgesellschaften streben nur für geeignete Portfoliounternehmen einen Börsengang an. Der weitaus überwiegende Teil der Portfoliounternehmen wird an andere größere Unternehmen verkauft. Eine funktionierende High Tech-Börse hat dabei indirekt auch Einfluss auf die erzielten Bewertungen“, so Bornikoel weiter.

    AIM und NASDAQ im Visier

    Als Alternativen sehen viele Beteiligungsgesellschaften vor allem den Londoner Alternative Investment Market (AIM) und die amerikanische NASDAQ. Befragt nach den für einen IPO bevorzugten Börsenplätzen erhielten zwar die deutschen Segmente Prime/General Standard, Freiverkehr und M:access zusammen 82 Nennungen, doch die internationalen Konkurrenzbörsen werden mit insgesamt 71 Nennungen kaum weniger attraktiv eingeschätzt. Die meisten Einzelnennungen erhielt der Prime Standard, dann folgt bereits der AIM. Bornikoel: „Der AIM scheint von den anhaltenden Diskussionen über ein fehlendes deutsches KMU-Segment zu profitieren, da er in der Öffentlichkeit immer wieder als Vorbild und Alternative genannt wird. Vor allem die Frühphasen-Finanzierer sehen in AIM und NASDAQ geeignete IPO-Segmente.“ In der Gunst der Befragten folgt nach General Standard und NASDAQ der Freiverkehr, der vor allem gegenüber den Vorjahresergebnissen deutlich an Zustimmung gewonnen hat.

    Beteiligungsgesellschaften sind erfahrene IPO-Berater

    Deutsche Beteiligungsgesellschaften verfügen über einen umfangreichen Erfahrungsschatz bei der Begleitung von Börsengängen. 54 der befragten Gesellschaften können auf die Erfahrung von 177 Börsengängen in Deutschland und 92 im Ausland zurückblicken. Davon haben 28 Gesellschaften schon mindestens einen IPO in Deutschland, weitere 17 sowohl in Deutschland als auch im Ausland begleitet. 9 Gesellschaften haben bisher ausschließlich Portfoliounternehmen im Ausland an die Börse gebracht.

    Vorsichtig optimistischer Blick in die IPO-Zukunft

    Trotz der anhaltenden Probleme sehen die Beteiligungsgesellschaften der IPO-Zukunft in Deutschland grundsätzlich positiv entgegen. Für das zweite Halbjahr 2005 erwarten sie noch 10 Börsengänge. Für 2006 gehen sie von 14 im ersten und 17 im zweiten Halbjahr aus. Dieser positive Trend wird von der deutlichen Mehrheit der Befragten vertreten.

    Trotzdem wird Deutschland nach Ansicht der Private Equity-Branche weiter hinter den internationalen Konkurrenzbörsen zurückbleiben. Als wichtigen Hinderungsgrund für diesen Rückstand sehen die Beteiligungsgesellschaften die derzeitige Börsensegmentierung in Deutschland. Phillips: „Die deutsche Börsenlandschaft braucht ein Börsensegment, das auf die Ansprüche kleiner und mittlerer Unternehmen ausgerichtet ist. Für deutsche Unternehmen entstehen ansonsten dauerhaft Finanzierungs- und damit auch Wettbewerbsnachteile im internationalen Wettbewerb.“

    Anmerkungen:

    Terminologie
    Die Teilstatistik Venture Capital basiert auf der bereits im Februar vom BVK veröffentlichten Private Equity-Gesamtmarktstatistik und gibt einen Einblick in den deutschen Beteiligungsmarkt unter Vernachlässigung von Buy-out-Transaktionen. Die Statistik erfasst alle Investitionen und Exits in Early stage- (Seed-, Start up-Investitionen) und Later stage-Venture Capital (Expansion-, Turnaround-, Replacement- und Bridge-Investitionen).

    Über den BVK
    Der 1989 in Berlin gegründete Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften – German Private Equity and Venture Capital Association e.V. (BVK) ist die umfassende Organisation der deutschen und der in Deutschland tätigen Repräsentanten ausländischer Kapitalbeteiligungsgesellschaften. Er hat die zentrale Aufgabe, die Interessen seiner Mitglieder zu vertreten und das öffentliche Bewusstsein zu Funktion und Bedeutung von Beteiligungsgesellschaften als verlässliche Partner für Unternehmen, Initiatoren wirtschaftlichen Wachstums und Stabilitätsfaktor für die Wirtschaft Deutschlands zu fördern.  

    Pressekontakt:

    Bundesverband Deutscher
    Kapitalbeteiligungsgesellschaften e.V. (BVK)

    Michael Phillips, stellvertretender Vorstandsvorsitzender
    Friedrich Bornikoel, Vorstandsmitglied
    Reinhardtstraße 27c
    10117 Berlin
    Tel.: 0 30 / 30 69 82-0
    Fax: 0 30 / 30 69 82-20
    E-Mail: bvk@bvk-ev.de
    http://www.bvk-ev.de

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