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BVK-Jahresstatistik 2004: Private Equity-Markt setzt positive Zeichen
[Pressemitteilung vom 15. Februar 2005]
- Deutschland in weltweiter Spitzengruppe
- Nachholbedarf beim Fundraising
Berlin, 15. Februar 2005 – „Die Konsolidierung der Private Equity-Branche ist beendet. Das abgelaufene Jahr 2004 zeigt, dass sich der Markt in vielen Bereichen wieder nach vorne bewegt“, kommentiert Dr. Thomas W. Kühr, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK), die Ergebnisse der Jahresstatistik 2004 zum Private Equity-Markt in Deutschland. Die volkswirtschaftliche Bedeutung von Private Equity stünde, so Kühr, außer Frage. Private Equity-finanzierte Unternehmen hätten 2004 Jahresumsätze in Höhe von 114,4 Mrd. € erwirtschaftet und rund 638.000 Mitarbeiter beschäftigt. Im in-ternationalen Vergleich bleibt Deutschland hinter den USA und Großbritannien in der Spitzengruppe.
Die erfassten Gesellschaften tätigten im Jahr 2004 Direktinvestitionen in Höhe von 3,8 Mrd. € in 950 Unternehmen. Die Investitionen lagen damit rund 56 Prozent über dem Vorjahresniveau (rund 2,4 Mrd. €). Dies ist insbesondere dem starken vierten Jahresquartal zuzuschreiben (1,4 Mrd. €). Das Portfolio (insgesamt investiertes Kapital) der BVK-Mitglieder per 31.12.2004 stieg gegenüber 2003 um mehr als 13 Prozent auf 20,3 Mrd. €.
Dem Volumen nach konnten alle Investitionssegmente (Early stage- / Later stage-Venture Capital, Buy outs) Zugewinne gegenüber 2003 verzeichnen. Dominierendes Marktsegment blieben Buy outs (71,3 Prozent). Sie bauten gegenüber dem Vorjahr (70,7 Prozent) erneut ihren Marktanteil aus. Leveraged Buy outs stellten 2004 fast drei Viertel der Buy out-Investitionen dar. „Die anhaltende Stärke der Buy outs zeigt, dass der deutsche Markt für nationale und internationale Buy out-Gesellschaften zunehmend wichtiger wird“, sagt Dr. Holger Frommann, Geschäftsführer des BVK. „Sie zeigt auch, dass der Investitionsschwerpunkt weiter im Later stage-Bereich verbleibt“, führt er weiter aus. Venture Capital-Investitionen (Seed, Start up, Expansion, sonstiges Later stage) erreichten im vierten Quartal 2004 mit einem neuen Rekordwert von 324,1 Mio. € ihr bestes Quartalsergebnis seit dem dritten Quartal 2002. Auch im Gesamtjahr stiegen die Venture Capital-Investitionen von 707,9 Mio. € (2003) auf 1.079,4 Mio. € (2004) um 52 Prozent deutlich an.
Branchen und Regionen: Trend der Vorjahre setzt sich fort
Der fortlaufende Trend zu großen Buy out-Transaktionen bewirkte 2004 erneut eine Bevorzugung traditioneller Branchen: Die höchsten Kapitalzuflüsse erhielten die Branchen Medizin (19,8 Prozent), Dienstleistungen (17,9 Prozent) und Konsumgüter (10,9 Prozent). Die meisten Unternehmen wurden in den technologieorientierten Branchen Computer, Maschinen-/Anlagebau, Medizin, Handel und Biotechnologie finanziert.
72,3 Prozent der Investitionen 2004 wurden in Deutschland getätigt. Zwar liegt dieser Wert unter dem des Vorjahres (82,3 Prozent), dennoch bleibt der deutsche Private Equity-Markt stark national geprägt. 25,1 Prozent der Investitionen entfielen auf andere europäische Länder und 2,6 Prozent auf Länder außerhalb Europas.
Totalverluste sinken deutlich / Fundraising schwächer als im Vorjahr
Die Totalverluste sanken im abgelaufenen Kalenderjahr deutlich von 40,2 Prozent auf 27,2 Prozent des Exitvolumens. „Die Totalverluste pendeln sich damit auf den langfristigen Durchschnitt ein“, sagt Kühr. „Es werden wieder verstärkt positive Exitkanäle genutzt.“ Dazu zählen insbesondere Trade Sales (25,1 Prozent) und Secondary Sales (20,7 Prozent), d.h. Verkäufe an andere Beteiligungsgesellschaften. Ingesamt ist das Exitvolumen dadurch im Jahr 2004 deutlich auf 1,5 Mrd. € gestiegen.
Das Fundraising ging 2004 um rund 69 Prozent zurück und erreichte ein Volumen von 2,0 Mrd. € (6,4 Mrd. €). „Der Rückgang ist damit zu erklären, dass das Fundraising 2003 einen neu geschlossenen pan-europäischen Fonds in Höhe von 5,1 Mrd. € enthielt“, erläutert Frommann. „Das war 2004 nicht der Fall. Unterm Strich hat sich das unabhängige Fundraising der deutschen Private Equity-Fonds gegenüber 2003 sogar verdoppelt auf rund 550 Mio. €.“ Hauptsächliche Kapitalgeber waren im abgelaufenen Jahr Versicherungen (30,5 Prozent), Kreditinstitute (19,5 Prozent) und öffentliche Kapitalquellen (16,4 Prozent). Wie im Vorjahr floss der Großteil der Geldmittel in Buy out-Fonds (49,1 Prozent). Der Anteil der Fondsmittel für Early stage- und Expansionsfinanzierungen stieg deutlich auf 30,9 Prozent.
Ausblick 2005
Mit einem Investitionsvolumen von rund 3,8 Mrd. € zeigt der deutsche Beteiligungsmarkt nach drei schwierigen Jahren neue Stärke. „Unternehmen befürworten zunehmend die Finanzierung mit Eigenkapital. Basel II und die Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe bringen dem Markt neue Impulse“, führt Kühr aus. Wichtig für eine nachhaltige Erholung des Private Equity-Markts sei aber eine Verbesserung der gesamtwirtschaftlichen Situation.
Als positiv für die weitere Marktstabilisierung bewertet der BVK die verbesserten steuerlichen Rahmenbedingungen sowie die neu eingerichteten öffentlichen Förderfonds, die speziell dem Venture Capital-Bereich Auftrieb geben sollen. „Die größte Herausforderung ist aber kurzfristig die Wiederbelebung des Fundraising“, führt Frommann aus. Die Fähigkeit, neue Mittel einzuwerben und vor allem deutsche institutionelle Investoren für Private Equity zurück zu gewinnen, wird laut Frommann maßgeblich über den Erfolg der Branche entscheiden.
Für den Bereich der Frühphasenfinanzierung prognostiziert der Bundesverband weiterhin schwierige Zeiten. „Der Niedergang der New Economy hat hier deutliche Spuren hinterlassen“, so Kühr. „Wir gehen davon aus, dass Venture Capital-Gesellschaften auf absehbare Zeit zurückhaltend in diesen Bereich investieren werden.“ Der Mittelstand werde aufgrund seiner oft zu geringen Eigenkapitalausstattung und seiner etablierten, expandierenden Unternehmen ein wichtiger Investitionsschwerpunkt bleiben.
Anmerkungen:
Terminologie
Beteiligungskapital oder Private Equity bezeichnet die Vergabe von Beteiligungskapital an nicht börsennotierte Unternehmen in allen Unternehmensphasen, d. h. Venture Capital und Buy outs.
Venture Capital bezieht sich auf Early stage- (Frühphasenfinanzierung: Seed und Start-up) und Later stage- (Expansions-) Finanzierung.
Über den BVK
Der 1989 in Berlin gegründete Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften – German Private Equity and Venture Capital Association e.V. (BVK) ist die umfassende Organisation der deutschen und der in Deutschland tätigen Repräsentanten ausländischer Kapitalbeteiligungsgesellschaften. Er hat die zentrale Aufgabe, die Interessen seiner Mitglieder zu vertreten und das öffentliche Bewusstsein zu Funktion und Bedeutung von Beteiligungsgesellschaften als verlässliche Partner für Unternehmen, Initiatoren wirtschaftlichen Wachstums und Stabilitätsfaktor für die Wirtschaft Deutschlands zu fördern.
Pressekontakt:
Bundesverband Deutscher
Kapitalbeteiligungsgesellschaften e.V. (BVK)
Dr. Thomas W. Kühr, Vorstandsvorsitzender
Dr. Holger Frommann, Geschäftsführer
Reinhardtstraße 27c
10117 Berlin
Tel.: 0 30 / 30 69 82-0
Fax: 0 30 / 30 69 82-20
E-Mail: bvk@bvk-ev.de
http://www.bvk-ev.de
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