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EnOcean GmbH: Funktechnologie für energieeffiziente Gebäude
Wenn in einem Gebäude herkömmliche Lichtschalter montiert werden, dann werden oft kilometerweise Kabel und Drähte verwendet. Das muss aber nicht sein: Inzwischen gibt es Alternativen zu den Kabelmassen beispielsweise batteriebetriebene Lichtschalter, die über Funk steuern, wann das Licht an- oder ausgeschaltet sein soll. Batterien müssen jedoch irgendwann ersetzt werden. Das ist teuer und zeitaufwendig. Zudem fallen in Bürogebäuden, in denen eine Vielzahl von Lichtschaltern benötigt wird, im Laufe der Zeit große Mengen an giftigem Chemieabfall an. Optimal ist diese Variante also auch nicht.
Kabellos, batterielos, grün
Doch es gibt noch eine weitere Möglichkeit, die ganz auf Kabel, Drähte und Batterien verzichtet: die batterielose Funktechnologie von EnOcean, einem Unternehmen mit Sitz in Oberhaching. Wie innovativ und zweckmäßig diese Technologie ist, illustriert das Beispiel des „Torre Espacio“ in Madrid, eines Hochhauses von 236 Metern und 57 Stockwerken. Durch den Einsatz von 4200 Funkschaltern konnten rund 31,5 km Kabel gespart werden. Hätte man batteriebetriebene Schalter eingesetzt, wären in einem Zeitraum von 25 Jahren 21 000 Batterien verbraucht worden. Umgerechnet in die zur Batterieherstellung nötige Primärenergie sind das 41 000 kWh.
Die „grüne“ Technologie funktioniert nach dem Energy-Harvesting-Prinzip, übersetzt: dem „Ernten“ von Energie. Aus geringsten Veränderungen in der Umwelt – beispielsweise wenn Licht in einem Raum angeschaltet wird oder sich die Temperatur ändert – wird genug Energie erzeugt, um Funksignale zu übertragen. So kann beispielsweise eingestellt werden, dass das Licht in Gängen und Räumen nur dann angeschaltet ist, wenn es auch tatsächlich notwendig ist. Auf diese Weise lassen sich 30 – 50% Energie einsparen.
Mit Venture Capital-Partnern durch die Gründungsphase
Wie viele innovative Ideen dieser Art wurde EnOcean von einer Venture Capital-Gesellschaft unterstützt. „Unser Gründungszeitpunkt war denkbar ungünstig. Nur vier Wochen nach dem Terroranschlag vom 11. September gestaltete sich jede Art der Kapitalbeschaffung äußerst schwierig – an Fremdkapital war gar nicht zu denken“, berichtet EnOcean-Gründer Markus Brehler, der zuvor zwölf Jahre bei Siemens tätig gewesen war. Dort wurde auch die Firmengründung beschlossen – mit vier anderen Mitarbeitern von Siemens. Zwar stieg das Gründungsteam um Brehler mit eigenem Kapital in das Spin-off-Unternehmen ein und auch Siemens war als Minderheitsgesellschafter dabei. Dies reichte jedoch nicht, um eine stabile Finanzierung auf die Beine zu stellen. Umso besser, dass unter den erschwerten Bedingungen im Februar 2002 die Venture Capital-Gesellschaften Wellington Partners und Enjoy Ventures bereit waren, in die innovative Idee zu investieren. Im April kam Siemens Venture Capital, im Oktober Baytech Venture und später Emerald Ventures sowie SET Venture und Prof. Kathrein dazu. Mit dem frischen Kapital in Höhe von insgesamt rund 30 Mio. € konnten neue Mitarbeiter eingestellt und die Produkte weiterentwickelt werden.
Bereits nach einem guten Jahr brachte EnOcean die ersten batterielosen Funkmodule auf den Markt und stieß damit auf viel positive Resonanz. Heute werden diese weltweit in mehr als 100 000 Gebäuden eingesetzt. Sie kommen übrigens nicht nur beim Neubau von Gebäuden, sondern häufig auch bei einer Sanierung oder Nachrüstung zum Einsatz. So wurden beispielsweise in der Semperoper Dresden EnOcean-basierte Produkte verwendet. Die Technologie war dabei klar im Vorteil, denn in bestimmten Bereichen des Gebäudes, das unter Denkmalschutz steht, sind Verkabelungen verboten.
Marktführer im Energy-Harvesting-Segment
Heute hat EnOcean insgesamt 50 Mitarbeiter, 45 davon in Deutschland. Jedes Jahr verdoppeln sich Umsatz und Absatz des Unternehmens, das Marktführer in diesem Segment ist. Ein wichtiger Markt sind dabei die USA: Im Jahr 2009 wurde die Hälfte des Umsatzes von EnOcean durch die amerikanische Tochtergesellschaft in Boston erwirtschaftet, die Exporte betrugen sogar 60 %.
Der Firmenname EnOcean basiert auf der Feststellung, dass die Welt ein Ozean voller ungenutzter Energie ist. Und die haben Brehler und sein Team in innovative Produkte umgewandelt – mit Erfolg, wie die Geschichte des noch jungen Unternehmens beweist. Und auch in die Zukunft kann EnOcean mit Optimismus blicken: Das Thema Energieeffizienz – sei es bei Neubauten oder Sanierungen – gewinnt weltweit zunehmend an Bedeutung. So wird auch das Interesse an der batterielosen Funktechnologie von EnOcean weiter ansteigen. Die Investoren sind noch bis mindestens 2012 im Boot. Ein beruhigendes Gefühl? „Ein klares Ja!“, so Brehler. „Wir hatten damals keine Alternative. Ohne Venture Capital würde es EnOcean heute nicht geben.“



