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BVK: Deutscher Buy out-Markt folgt europäischem Wachstum

26. April 2004

[Pressemitteilung vom 26. April 2004]

  • Fast drei Viertel der Private Equity-Investitionen sind Buy outs
  • Einzeltransaktionen mit hohen Volumina dominieren

Berlin, 26. April 2004  – Buy outs sind im deutschen Beteiligungsmarkt zum dem Volumen nach wichtigsten Investitionssegment geworden. Mit 71% (1,7 Mrd. €) zogen Buy outs im Jahr 2003 fast drei Viertel der gesamten Eigenkapitalinvestitionen auf sich und haben damit andere Finanzierungsphasen deutlich abgehängt. Große Transaktionen nahmen weiterhin an Gewicht zu – eine Folge der verstärkten Ausgliederungsbestrebungen von Großunternehmen. Mit seiner Teilstatistik zum Buy out-Markt 2003 stellt der Bundesverband deutscher Kapitalbeteiligungsgesell-schaften e.V. (BVK) erstmalig eine detaillierte Untersuchung der Eigenkapitalinvestitionen und Exits bei Buy out-Transaktionen vor.

Zielgruppen von Buy out-Transaktionen sind Abspaltungen von Großunternehmen (Spin-Offs), mittelständische Unternehmen mit Nachfolgeproblemen und Unternehmen mit Restrukturierungsbedarf. Die Fortführung nach Neustrukturierung der Unternehmen ist wichtigstes Motiv für Buy out-Transaktionen. Die Neustrukturierung erfolgt mit dem Ziel, Wachstum zu generieren und Wertsteigerung zu erreichen. Zu den größten Transaktionen des Jahres 2003 gehörten die Übernahmen von Kabel Deutschland, MTU Aero Engines, Brenntag, Premiere Fernsehen, Bertelsmann Springer Fachverlage und Pro Sieben Sat.1 Media.

Leveraged Buy outs legen in Deutschland zu

Seit 1998 erfasst der BVK die einzelnen Buy out-Arten  (MBO, MBI; LBO), wobei nur die Eigenkapitalanteile der Transaktionen, nicht jedoch Fremdkapital- oder Mezzanine-Bestandteile berücksichtigt werden. Betrachtet man die langfristige Entwicklung der Transaktionen seit diesem Zeitpunkt, haben LBO’s seit 2001 kontinuierlich an Volumen zugenommen. 2003 erreichten sie 1,2 Mrd. € und damit mehr als 70% der Buy out-Transaktionen. Auf MBO’s entfielen 483 Mio. € und auf MBI’s lediglich 4,3 Mio. €.  Damit folgt Deutschland dem europäischen Trend: In Großbritannien, Frankreich, Italien und Schweden spielen Buy out-Transaktionen und insbesondere LBO’s schon seit Jahren die dominierende Rolle.

Traditionelle Branchen im Visier

Buy outs finden vor allem in traditionellen Branchen statt. Mit 41,6% dominierte im abgelaufenen Jahr vor allem der Bereich „Sonstige Dienstleistungen“. Darunter fallen zum Beispiel der Verlags- und Medienbereich sowie Industriedienstleistungen. Zweitwichtigste Branche war im vergangenen Jahr die Kommunikationstechnologie (13,1%), gefolgt von Chemie/Werkstoffe (7,4%) und Maschinenbau (6,6%).

Infolge großer Einzeltransaktionen ergibt sich eine starke regionale Konzentration auf die drei Bundesländer Nordrhein-Westfalen (658 Mio. €; 46,1%), Hamburg (351 Mio. €; 24,5%) und Bayern (294 Mio. €; 20,6%). Der mit 279 Mio. € hohe Anteil europäischer Investitionen ist vor allem auf die Aktivitäten in der Schweiz, Österreich und den Niederlanden zurückzuführen.

Vor allem attraktiv für Buy out-Transaktionen sind mittlere bis sehr große Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten (89% aller Investitionen). Bei der Umsatzgröße gab es im Jahr 2003 zwei Schwerpunkte:

  • Mittelgroße Unternehmen mit Umsätzen zwischen 10 und 50 Mio. €
  • Sehr große Unternehmen mit mehr als 100 Mio. €

Exitvolumen auf geringem Niveau

Das Exitvolumen erreichte verglichen mit der Höhe der getätigten Investitionen ein verschwindend geringes Volumen von 48 Mio. €. So meldeten die BVK-Mitglieder für das Jahr 2003 nur einen Totalverlust. Die Exits treten, wie auch die Investitionen, unregelmäßig auf. Ein Grund ist, dass Exitkanäle wie der IPO- oder der M&A-Markt, die gerade nach großen Buy outs für einen Verkauf in Frage kommen, im Jahr 2003 nur wenig genutzt werden konnten.

Wichtigste Exitkanäle waren Rückzahlungen von Gesellschafterdarlehen (29,8%) und Trade sales (29,4%).

Ausblick: Viele Anzeichen für weiteres Wachstum

„Tendenzaussagen aus den tatsächlich erfassten Zahlen für Buy out-Transaktionen abzuleiten, ist schwierig“, sagt BVK-Geschäftsführer Dr. Holger Frommann. „Die einzelnen, unregelmäßig auftretenden Investitionen mit hohen Volumina schlagen sich in der Statistik in sprunghaften Bewegungen nieder, die keinen eindeutigen Trend erkennen lassen“, führt er weiter aus. Dennoch stünden die Zeichen für den deutschen Buy out-Markt weiterhin deutlich auf Wachstum.

Deutschland bietet deutschen und vor allem auch internationalen Finanzinvestoren weiterhin zahlreiche attraktive Beteiligungsmöglichkeiten: Konzerne fahren mit der Ausgliederung von Randaktivitäten, die nicht zum Kerngeschäft gehören, fort. Der deutsche Mittelstand sei, so Frommann, Treiber für kleine und mittlere Transaktionen. Ein weiterer Schwerpunkt zeichnet sich mit „Going Privates“ ab, bei denen börsennotierte Zielunternehmen im Anschluss an die Buy out-Transaktion von der Börse genommen werden (Beispiele 2003: Celanese, WET). Potente Fonds mit ausreichenden finanziellen Mitteln suchten nach Investitionsmöglichkeiten: „Im Buy out-Geschäft herrscht noch ein Kapitalüberhang, der auf einen gewissen Anlagedruck von Seiten der Investoren schließen lässt“, äußert sich Frommann.

Anhang

Terminologie:
Beteiligungskapital oder Private Equity bezeichnet die Vergabe von Beteiligungskapital an nicht börsennotierte Unternehmen in allen Unternehmensphasen, d. h. Venture Capital, Buy outs und Mezzanine-Finanzierungen.

Buy outs umfasst drei Investitionsarten:

  • Management Buy outs (MBO’s): Übernahme eines Unternehmens durch das vorhandene Management. Das Management hält mehr als 10% der Unternehmensanteile.
  • Management Buy ins (MBI’s): Übernahme eines Unternehmens durch ein externes Management. Das Management hält mehr als 10% der Unternehmensanteile.
  • Leveraged Buy outs (LBO’s): Überwiegend fremdkapitalfinanzierte Übernahme eines Unternehmens. Das Management hält weniger als 10% der Unternehmensanteile.

Über den BVK:

Der 1989 in Berlin gegründete Bundesverband deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften – German Venture Capital Association e.V. (BVK) ist die umfassende Organisation der deutschen und der in Deutschland tätigen Repräsentanten ausländischer Kapitalbeteiligungsgesellschaften. Er hat die zentrale Aufgabe, die Interessen seiner Mitglieder zu vertreten und das öffentliche Bewusstsein zu Funktion und Bedeutung von Beteiligungsgesellschaften als verlässliche Partner für Unternehmen, Initiatoren wirtschaftlichen Wachstums und Stabilitätsfaktor für die Wirtschaft Deutschlands zu fördern. 
 
Pressekontakt:

Bundesverband deutscher
Kapitalbeteiligungsgesellschaften e.V. (BVK)

Dr. Thomas W. Kühr, Vorstandsvorsitzender
Dr. Holger Frommann, Geschäftsführer
Reinhardtstraße 27c
10117 Berlin
Tel.: 0 30 / 30 69 82-0
Fax: 0 30 / 30 69 82-20
e-mail: BVK@BVK-eV.de
http://www.BVK-eV.de

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