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BVK-Studie: Aktiveres Fundraising trotz starker internationaler Konkurrenz

22. Januar 2007

Steuerrechtliches Umfeld in Deutschland größtes Hindernis beim Fundraising

Deutsche Beteiligungsgesellschaften bauen ihre Fundraising-Aktivitäten weiter aus. Zahlreiche Gesellschaften werben derzeit neue Fondsmittel ein oder planen in den nächsten Monaten die Auflage neuer Fonds. Das geht aus der heute vom Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften e.V. (BVK) veröffentlichten Studie "Fundraising 2006/2007“ hervor.

„Vor allem Frühphasen-orientierte Venture Capital-Gesellschaften und Buy-out-Spezialisten suchen Kapital, stehen aber weiterhin vor großen Herausforderungen“, sagt BVK-Geschäftsführer Dr. Holger Frommann. „Das Kapitalangebot der Investoren ist hierzulande nicht üppig. Deutsche Beteiligungsgesellschaften befinden sich in einem harten Wettbewerb mit ihren ausländischen Konkurrenten und kämpfen unter anderem infolge der ungünstigen steuerrechtlichen Rahmenbedingungen mit deutlichen Standortnachteilen.“ Die Folge: Investoren bevorzugen heute große internationale Buy-out-Fonds. Deutsche Fonds, insbesondere aus dem Venture Capital-Bereich, gelten als weniger attraktiv.

Für die Studie befragte der BVK im November 2006 seine Mitglieder sowie weitere deutsche Beteiligungsgesellschaften nach ihrer Einschätzung der aktuellen Fundraising-Situation. 94 Gesellschaften, davon 52 Frühphaseninvestoren und 42 Later Stage-/Buy-out-Gesellschaften, nahmen an der Befragung teil. Die befragten Gesellschaften machten Angaben zu 64 derzeit verwalteten Fonds, von denen mehr als ein Drittel noch in den Jahren bis 2001 geschlossen wurde. 13 Gesellschaften konnten 2005 und weitere 18 im Jahr 2006 ihre letzten Fonds schließen. Das Volumen der Fonds beläuft sich auf fast 7,7 Mrd. €, von denen 3,1 Mrd. € auf Early Stage-Fonds und 4,6 Mrd. € auf Later Stage-/Buy-out-Fonds entfallen.

“In den Jahren 2002 bis 2004 kam das Fundraising in Deutschland praktisch zum Erliegen, und nur eine Handvoll neue Fonds konnte geschlossen werden. Seit 2005 forcieren die deutschen Beteiligungsgesellschaften ihre Fundraising-Bemühungen. Dem schlossen sich im letzten Jahr zunehmend mehr Gesellschaften an“, so Frommann.

Weitere Fonds in der Pipeline

Auch 2007 scheint den Planungen der Gesellschaften zufolge ein gutes Fundraising-Jahr zu werden. Lediglich 20 der 75 mit externen Investoren zusammenarbeitenden Gesellschaften gaben an, derzeit kein Fundraising zu planen bzw. keine neuen Mittel einwerben zu müssen. Dagegen befinden sich 22 Gesellschaften derzeit schon im Fundraising, und weitere 24 bereiten die Auflage von Fonds im Jahr 2007 vor. Die Mehrzahl davon entfällt auf Early Stage-Fonds und Fonds für kleine und mittlere Buy-outs. Fast jeder zweite der neuen Fonds soll hauptsächlich in Unternehmen der Seed- und Start up-Phase investieren. Die Befragungsergebnisse ergeben ein angestrebtes Fondsvolumen von rund 5,7 Mrd. €. Davon sollen 3,1 Mrd. € von 29 Early Stage-Gesellschaften und 2,6 Mrd. € von 16 Later Stage-/Buy-out-Gesellschaften eingesammelt werden. „Wir hoffen, dass dieser enorme Kapitalbedarf durch deutsche und internationale Investoren gedeckt werden kann. Letztendlich entscheidet der Zuspruch der Investoren über den Fundraising-Erfolg“, kommentiert Frommann.

Vor allem ausländische Investoren attraktiv

Als attraktivste Investorengruppen nannten die Beteiligungsgesellschaften Privatanleger/Family offices, Fund of Funds und Pensionsfonds. Insgesamt werden ausländische Investoren etwas attraktiver eingeschätzt als deutsche. Die Investorengruppe mit den meisten Einzelnennungen waren allerdings deutsche Privatanleger/Family offices vor ausländischen Pensionsfonds und Fund of Funds. „Deutsche Beteiligungsgesellschaften verfügen traditionell über gute Kontakte zu den hiesigen Investoren“, sagt Frommann. „Deren Investitionsbereitschaft ist allerdings immer noch begrenzt, so dass ein erfolgreiches Fundraising heute oft nur zusammen mit ausländischen Investoren möglich ist. Wir müssen mehr internationale Geldgeber zu Engagements in Deutschland bewegen.“

Fast zwei Drittel der Befragten kommen zu der Einschätzung, dass sich die von ihnen wahrgenommene Stimmung bei den Investoren und damit deren Haltung zu Engagements in deutsche Private Equity-Fonds gegenüber dem Jahr 2005 verbessert hat. Gleichzeitig sehen aber auch einige Befragte angesichts einer anhaltend großen Zahl von Beteiligungsgesellschaften im Fundraising einen zunehmenden Wettbewerb der Fonds um Kapital.

Investoren haben weiterhin Vorbehalte / Private Equity-Gesetz bringt Chance für Deutschland
Trotz der unbestreitbar verbesserten Bedingungen für das Einwerben von Kapital sehen sich die Beteiligungsgesellschaften mit anhaltenden Herausforderungen konfrontiert. Befragt nach den wichtigsten Hindernissen für Kapital einwerbende Beteiligungsgesellschaften nannte die Hälfte der Gesellschaften jeweils die unvorteilhaften steuerrechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland und den oft fehlenden Track Record vieler Fonds. Zudem stellen viele Beteiligungsgesellschaften noch immer Vorbehalte seitens der Investoren gegenüber dem Private Equity-Standort Deutschland fest.

Bei den steuerrechtlichen Rahmenbedingungen bleibt die Branche bei ihrer kritischen Einschätzung. Weit weniger als die Hälfte der Gesellschaften bewertet die Rahmenbedingungen zumindest mit „befriedigend“. Die große Mehrzahl kommt dagegen nur zu einem Urteil von bestenfalls „ausreichend“. „Dies untermauert den Überarbeitungsbedarf der rechtlich nicht eindeutig geregelten Frage der steuerlichen Behandlung von deutschen Private Equity-Fonds. Die international unüblichen Regelungen hierzulande schrecken insbesondere ausländische Investoren von Engagements ab“, konkretisiert Frommann. Andere europäische Staaten wie Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien oder die Schweiz haben längst reagiert und eigene spezielle rechtliche Fondsstrukturen für Beteiligungskapitalfonds geschaffen.

„Mit dem für 2008 angekündigten Private Equity-Gesetz hat die Bundesregierung die einmalige Chance, deutsche Private Equity-Fonds im internationalen Wettbewerb um Kapital einen großen Schritt voranzubringen. Vorteilhaftere und vor allem sichere steuerliche Regelungen würden mehr Investoren von einem Engagement in deutsche Fonds überzeugen und der deutschen Volkswirtschaft und vor allem dem Gründer- und Technologiebereich dringend notwendiges Kapital bescheren“, so Frommann abschließend.
 
Anmerkungen:

Terminologie
Beteiligungskapital oder Private Equity bezeichnet die Vergabe von Beteiligungskapital an nicht börsennotierte Unternehmen in allen Unternehmensphasen, d. h. Venture Capital und Buy-outs. Venture Capital bezieht sich auf Early stage- (Frühphasenfinanzierung: Seed und Start up) und Later stage-(Expansions-) Finanzierung.


Pressekontakt:

Bundesverband Deutscher  
Kapitalbeteiligungsgesellschaften e.V. (BVK)
 
Dr. Holger Frommann, Geschäftsführer  
Reinhardtstraße 27c 
10117 Berlin 
Tel.: 0 30 / 30 69 82-0 
Fax: 0 30 / 30 69 82-20 
bvk@bvk-ev.de 
www.bvk-ev.de 

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Über den BVK

Der 1989 in Berlin gegründete Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften – German Private Equity and Venture Capital Association e.V. (BVK) ist die umfassende Organisation der deutschen und der in Deutschland tätigen Repräsentanten ausländischer Kapitalbeteiligungsgesellschaften. Er hat die zentrale Aufgabe, die Interessen seiner Mitglieder zu vertreten und das öffentliche Bewusstsein zu Funktion und Bedeutung von Beteiligungsgesellschaften als verlässliche Partner für Unternehmen, Initiatoren wirtschaftlichen Wachstums und Stabilitätsfaktor für die Wirtschaft Deutschlands zu fördern.