BVK: Kräftiges Investitionsplus bringt bestes Investitionsergebnis seit fünf Jahren

"Der deutsche Beteiligungskapitalmarkt hat ein neues Rekordvolumen erzielt: Mit Investitionen von mehr als 7 Milliarden Euro in rund 1.300 Unternehmen wurde das höchste Investitionsvolumen seit 2008 erreicht", so Wilken von Hodenberg, Sprecher des Vorstandes des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) auf der Pressekonferenz zur heute veröffentlichten Statistik für den deutschen Private Equity-Markt 2014. "Damit belegen deutsche und internationale Beteiligungsgesellschaften erneut ihre Bedeutung für die Unternehmensfinanzierung in Deutschland."

2014 wurde der Investitionsrückgang aus dem Vorjahr mehr als wettgemacht. Mit 7,06 Mrd. € wurden 40 % mehr investiert als 2013 (5,06 Mrd. €) und so viel wie zuletzt im Jahr 2008. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen wurden im letzten Jahr durch Beteiligungskapital unterstützt. 93 % der im Jahresverlauf finanzierten Unternehmen beschäftigen weniger als 500 Mitarbeiter oder setzen weniger als 100 Mio. € um. "Der deutsche Beteiligungsmarkt war auch 2014 geprägt von Beteiligungen an kleinen und mittelständischen Unternehmen", so von Hodenberg weiter.

Es waren aber insbesondere große Transaktionen, die zu dem starken Investitionsplus beitrugen. Zu nennen sind hier beispielsweise Scout24, HX Holding, Minimax, Mauser oder Median Kliniken. Mehr als drei Viertel der Investitionen entfielen dementsprechend auf Gesellschafter-Nachfolgen/Mehrheitsbeteiligungen (Buy-Outs). Ihr Investitionsvolumen lag 43 % über dem Vorjahresniveau und auch die Zahl der erfassten Transaktionen stieg deutlich (2014: 127, 2013: 98). Starke Unternehmensergebnisse und optimistische Geschäftsaussichten sowie günstige Finanzierungsbedingungen angesichts des Niedrigzinsmarktes boten den Buy-Out-Investoren ein gutes Umfeld. Aber auch die meist mittelstandsorientierten Minderheitsbeteiligungen (Growth/Wachstumsfinanzierungen, Replacements, Turnaround) erreichten 0,82 Mrd. € und lagen damit nahezu doppelt so hoch wie im Vorjahr. Dies lag vor allem an größeren Einzeltransaktionen.

Die Investitionen von Venture-Capital-Gesellschaften zeigen sich insgesamt stabil. Sie lagen mit 0,65 Mrd. € zwar knapp unter dem Vorjahresergebnis (0,72 Mrd. €), jedoch über dem Volumen von 2012. Die 712 Venture Capital-finanzierten Unternehmen machten mehr als die Hälfte aller im Jahr 2014 finanzierten Unternehmen aus. Über die letzten Jahre fehlte dem Venture-Capital-Segment Dynamik auf breiter Front. Es bedarf dringend besserer Rahmenbedingungen für die Finanzierung junger Unternehmen, um dem Markt neue Impulse zu verleihen. "Das von der Großen Koalition angekündigte Venture-Capital-Gesetz sollte endlich in Angriff genommen werden. Wir haben bereits im Januar einen Entwurf hierfür zur Diskussion gestellt. Unsere vorgeschlagenen Maßnahmen würden mehr Kapital mobilisieren, ausländische Investoren anlocken, und damit die Marktsituation für den deutschen Venture-Capital-Markt erheblich stärken", sagt BVK-Vorstandssprecher Dr. Peter Güllmann.

Das Fundraising der Branche summierte sich auf insgesamt 1,67 Mrd. € und übertraf das Vorjahresergebnis (1,33 Mrd. €) um ein Viertel. Der Zuwachs ist auf einen deutlichen Anstieg neuer Mittel von Buy-Out-Fonds zurückzuführen. Trotz dieses Zuwachses und der gestiegenen Zahl neuer Fonds ist das Fundraising insbesondere im Venture-Capital-Bereich weiter mit Schwierigkeiten verbunden. Dazu Vorstandssprecher Güllmann: "2012 und 2013 waren sehr schwierige Fundraising-Jahre. Das Ergebnis im abgelaufenen Jahr macht Hoffnung, dass im aktuellen Niedrigzinsumfeld auch 2015 institutionelle Investoren ein großes Interesse an deutschem Private Equity als Anlagealternative haben werden."

Private Equity-Prognose: Branche ist optimistisch für 2015

Die Beteiligungsgesellschaften berichten von einer weiterhin großen Nachfrage nach Beteiligungskapital von Gründern und Mittelständlern. Impulse für den Buy-Out-Bereich wird es durch das andauernde Niedrigzinsumfeld und die derzeit sehr vorteilhaften Finanzierungsbedingungen geben. "Sollte das Umfeld stabil bleiben, dürfte ein Investitionsvolumen auf dem Niveau von 2014 möglich sein", blickt von Hodenberg voraus. Die Branche ist optimistisch für 2015, wie die "Private Equity-Prognose", eine Befragung zum Ausblick der Beteiligungsgesellschaften auf das aktuelle Jahr, zeigt. Angaben von 119 Beteiligungsgesellschaften flossen in die Auswertung ein.

Mehr als die Hälfte der Gesellschaften prognostiziert einen leichten oder deutlichen Anstieg ihrer Investitionen. Weitere 40 % erwarten die eigenen Investitionen auf dem Niveau des letzten Jahres. Der Anteil der Optimisten ist bei den Vertretern aus den Bereichen Wachstumsfinanzierungen/Buy-Outs und Venture Capital nahezu gleich. Über alle Marktsegmente hinweg erwartet die Hälfte der Befragten allerdings auch tendenziell steigende Unternehmensbewertungen, nicht zuletzt sind die niedrigen Zinsen ein Treiber für höhere Bewertungs-Multiples. Bei den Venture-Capital-Gesellschaften hat sich dieser Anteil im Vergleich zum Vorjahr sogar mehr als verdoppelt.
Bei den Veräußerungen ihrer Beteiligungen kommt den Beteiligungsgesellschaften die Entwicklung der Multiplikatoren als Basis für Unternehmensbewertungen entgegen. Für ihre Beteiligungsverkäufe sind die Befragten deshalb ebenfalls zuversichtlich. Jeweils fast jede zweite Gesellschaft geht 2015 von einer Zunahme ihrer Unternehmensverkäufe oder zumindest von einem gleichbleibenden Niveau aus.

Nachdem schon 2014 die Zahl neuer Fonds gestiegen war, werden auch im laufenden Jahr viele Beteiligungsgesellschaften auf Investorensuche sein. 24 deutsche Gesellschaften gaben an, bereits mit dem Fundraising begonnen zu haben oder bis 2016 damit starten zu wollen. Dabei wollen sie insgesamt 2,4 Mrd. € neues Fondskapital einsammeln.

Die ausführliche Beteiligungsmarktstatistik 2014 sowie die "Private Equity-Prognose 2015" finden Sie nachfolgend zum Download.