BVK: Deutscher Beteiligungsmarkt startet erfolgreich ins Jahr 2014

"Der deutsche Beteiligungskapitalmarkt ist auf dem besten Weg, die Investitionszahlen des vergangenen Jahres deutlich zu übertreffen. Besonders erfreulich ist, dass es auch bei den kleinen und mittleren Buy-Outs und bei mittelständischen Wachstumsfinanzierungen höhere Investitionen gab", kommentiert Dr. Peter Güllmann, Vorstandssprecher des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) die heute veröffentlichte BVK-Statistik für den deutschen Private-Equity-Markt im ersten Halbjahr 2014. Von Januar bis Juni investierten Beteiligungsgesellschaften 2,79 Mrd. € in fast 700 deutsche Unternehmen. Damit wurde das Ergebnis des Vergleichszeitraums des Vorjahres (2,03 Mrd. €) um mehr als ein Drittel übertroffen, das vom zweiten Halbjahr 2013 (2,9 Mrd. €) wurde nahezu erreicht.

Buy-Out-Geschäft und Minderheitsbeteiligungen sorgen für Investitionsplus

Vor allem Buy-Outs und Minderheitsbeteiligungen waren ausschlaggebend für die sehr guten Investitionszahlen. Etwas mehr als drei Viertel der Investitionen im ersten Halbjahr entfielen auf den Buy-Out-Sektor, der insgesamt weiterhin von positiven Unternehmensergebnissen, dem niedrigen Zinsniveau und der guten Verfügbarkeit von Bankenfinanzierungen profitiert. Mit 2,2 Mrd. € übertrafen die Buy-Out-Investitionen deutlich das Niveau des ersten Halbjahres 2013 (1,44 Mrd. €) und blieben nur knapp unter dem der zweiten Jahreshälfte 2013 (2,35 Mrd. €). Auch die Zahl der Transaktionen übertraf mit 50 die beiden vorherigen Halbjahre (I/13: 46, II/13: 48).

Die Investitionen im Bereich Minderheitsbeteiligungen (Wachstum/Growth, Turnaround, Replacement) summierten sich auf 310 Mio. € und lagen insbesondere wegen eines Anstiegs der Wachstumsfinanzierungen über den beiden Vorsemestern (I/13: 181 Mio. €; II/13: 247 Mio. €).

Die Venture-Capital-Investitionen lagen bei 285 Mio. €, die in 400 Unternehmen investiert wurden. Damit zeigte sich das Investitionsniveau im Marktsegment stabil und nahezu unverändert im Vergleich zum vorherigen Halbjahr und zu beiden Halbjahren 2012, in denen zwischen 282 und 293 Mio. € investiert wurden. Nur das Ergebnis des ersten Halbjahres 2013 (409 Mio. €) wurde nicht erreicht, doch dieses war auch das investitionsstärkste Semester seit 2008.

Positiver Ausblick auf die zweite Jahreshälfte

Nach dem erfolgreichen ersten Halbjahr fällt der Ausblick auf die zweite Jahreshälfte optimistisch aus. "Um die Jahresmitte wurden einige große Transaktionen angekündigt, deren Abschluss im zweiten Halbjahr erwartet wird. Deshalb gehen wir davon aus, dass der Markt in der zweiten Jahreshälfte die Investitionszahlen der ersten sechs Monate übertreffen wird", prognostiziert Güllmann. Zu nennen sind hier etwa Minimax Viking, Mauser, Teamviewer oder GHD. Auf Jahressicht würde das Vorjahresergebnis in Höhe von 4,93 Mrd. € dann ebenfalls deutlich überschritten werden.

Rahmenbedingungen bremsen Branchenentwicklung

Mit 700 finanzierten Unternehmen im ersten Halbjahr 2014 zeigen die Marktzahlen einmal mehr die wichtige Rolle von Beteiligungskapital bei der Finanzierung von Gründungen, jungen Wachstumsunternehmen und dem etablierten deutschen Mittelstand. Diese ist zwar von der Politik mittlerweile anerkannt, aber immer noch wird die deutsche Beteiligungsbranche maßgeblich durch die hierzulande herrschenden Rahmenbedingungen gebremst. In ihrer Digitalen Agenda 2014-2017 kündigt die Bundesregierung wiederholt eine ,Verbesserung der Finanzierungsbedingungen für Startups durch international wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen für Wagniskapital' an. "Nach den zahlreichen Bekenntnissen zu Wagniskapital muss die Politik im Sinne der Finanzierung junger Unternehmen den Worten nun Taten folgen zu lassen. Die Gefahr ist, dass Deutschland und die einheimische Venture-Capital-Branche ohne entscheidende Verbesserungen und einen an internationalen Maßstäben ausgerichteten Rechtsrahmen vollends den Anschluss verlieren", sagt Ulrike Hinrichs, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des BVK. Ebenso müssten neue Regulierungsvorhaben kritisch auf ihre möglicherweise negativen Auswirkungen auf die Kapitalversorgung junger Unternehmen geprüft werden. "Die im Raum stehenden Änderungen bei der neuen Anlageverordnung für Versicherungen helfen unserer Branche nicht weiter und schneiden insbesondere Venture-Capital- und Mittelstandsfonds de facto von einer wichtigen Kapitalquelle ab", ergänzt Hinrichs.


Zum Beteiligungsmarkt in Deutschland
Mehr als 200 Beteiligungsgesellschaften sind in Deutschland aktiv, neben deutschen auch viele ausländische Gesellschaften. Diese halten mehr als 5.000 Beteiligungen an deutschen Unternehmen, die wiederum 1 Millionen Mitarbeiter beschäftigen und rund 200 Mrd. € umsetzen. Jedes Jahr erhalten mehr als 1.000 deutsche Unternehmen aus den Bereichen Venture Capital, Minderheitsbeteiligungen und Buy-Outs Beteiligungskapital – zwischen 2009 und 2013 waren das insgesamt rund 26 Mrd. €. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen profitieren vom Kapital und dem unternehmerischen Knowhow. Neun von zehn finanzierten Unternehmen haben weniger als 500 Mitarbeiter bzw. 50. Mio. € Umsatz.