Zeil: Rahmenbedingungen für Investoren in bayerische Innovationen verbessern

"Bayern hat sich als ein Zentrum für Venture Capital in Deutschland und Europa etabliert", so Martin Zeil, Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie, heute in München. Der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) hat am heutigen Montag gemeinsam mit dem Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie zum Pressegespräch und einer sich anschließenden Diskussionsrunde zum Thema "Venture Capital in Bayern und Deutschland: Zukunft finanzieren, Chancen nutzen"in die LfA Förderbank Bayern in München eingeladen.

Gemeinsam mit Wolfgang Seibold, Vorstandsmitglied des BVK und Partner der Venture-Capital-Gesellschaft Earlybird, sprach Zeil über die Situation des Venture-Capital-Marktes in Deutschland und Bayern.

Im vergangenen Jahr wurden in Bayern fast 100 Mio. Euro Venture Capital in 130 Unternehmen investiert. Damit beliefen sich nahezu 20 Prozent aller deutschen Venture-Capital-Investitionen auf Bayern. Das Bundesland nimmt damit den zweiten Platz im deutschen VC-Ranking ein, hinter Berlin. Mehr als 50 Beteiligungsgesellschaften, darunter 30 Venture-Capital-Gesellschaften, haben hier ihren Sitz.

"Der Freistaat hat früh die Potenziale dieser Finanzierungsform für Innovation und Gründung erkannt und über viele Jahre ein enges Netzwerk aus privaten und öffentlich unterstützten Venture-Capital-Gesellschaften sowie einer lebhaften Gründungs- und Technologielandschaft aufgebaut", berichtet Wirtschaftsminister Zeil weiter.

Ein Blick auf die aktuellen Zahlen und Entwicklungen zeige jedoch, dass sich der Venture-Capital-Markt in Deutschland seit Jahren mit schwierigen Herausforderungen konfrontiert sieht. "Die Marktaktivitäten hierzulande liegen im internationalen Vergleich immer noch spürbar zurück und erreichen nicht das volkswirtschaftlich wünschenswerte Potential"sagt Seibold. "Vor allem die Gründer innovativer Technologieunternehmen sind auf eine funktionierende Finanzierungsinfrastruktur angewiesen, um ihre Produkte und Dienstleistungen in den globalen Märkten erfolgreich zu platzieren ". Fehle diese, bestehe die Gefahr, dass die Gründer mit ihren Ideen nach London oder ins Silicon Valley abwandern. Der Wagniskapitalbranche gelänge es jedoch aktuell nicht, in ausreichendem Umfang privates Kapital für Deutschland zu mobilisieren.

Auch in der Politik wird die Bedeutung von jungen Unternehmen und Innovationen für Wachstum und Wohlstand anerkannt. Zudem hat die Bedeutung der öffentlichen Hand für die Funktionsfähigkeit des deutschen Venture-Capital-Marktes in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Trotzdem sind sich alle Marktbeobachter einig, dass bei den Rahmenbedingungen für Wagniskapital und für junge Technologieunternehmen in Deutschland erheblicher Verbesserungsbedarf besteht, gerade auch im Vergleich zu anderen europäischen Ländern. Maxime sollte es sein, die Rahmenbedingungen für Venture-Capital-Fonds so auszugestalten, dass mehr private Investoren zurück in die Anlageklasse Wagniskapital bewegt werden. Hierbei sind andere Länder deutlich weiter als Deutschland und setzen aktiv Anreize, um die einheimische Venture-Capital-Szene und damit die Innovationsfinanzierung durch private Investoren zu stärken. Deutschland hat hier großen Nachholbedarf.

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion debattierten neben Martin Zeil und Wolf-gang Seibold auch Business Angel Falk F. Strascheg, Professor Christoph Kaserer von der TU München und Moderator Marc Beise von der Süddeutschen Zeitung über die aktuelle Marktsituation in Deutschland. Einig waren sich alle Beteiligten darüber, dass der deutsche Venture-Capital-Markt noch erhebliches Wachstumspotenzial besitzt. Doch müssen aus Sicht der Diskussionsteilnehmer einige wichtige Rahmenbedingungen angegangen werden. Zu nennen sind hier etwa die wenig förderlichen steuerlichen Bedingungen für VC-Fonds oder aber die belastenden Regelungen für Verlustvorträge von jungen Technologieunternehmen.