BVK: Erneut deutlich mehr Private Equity-Investitionen im Jahr 2011

"Der deutsche Beteiligungskapitalmarkt konnte sich 2011 trotz der europäischen Schuldenkriseund den unsicheren konjunkturellen Aussichten behaupten", so VorstandsvorsitzenderMatthias Kues auf der Pressekonferenz zur heute veröffentlichten Statistik des BundesverbandsDeutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) für den deutschen Private Equity-Markt 2011. Die Investitionen in Deutschland stiegen gegenüber dem Vorjahrum 22 % auf 5,92 Mrd. €. Rund 1.200 zumeist kleine und mittlere Unternehmen wurden imJahresverlauf mit Beteiligungskapital finanziert, womit Beteiligungsgesellschaften ihre Bedeutungfür die Finanzierung dieser Unternehmen untermauern. Nur 6 % der im Jahresverlauffinanzierten Unternehmen hatten mehr als 500 Beschäftigte.

Nach einem Investitionsvolumen von 4,86 Mrd. € im Jahr 2010, wurden im vergangenen Jahr5,92 Mrd. € investiert. Mehr als drei Viertel davon entfielen auf Gesellschafter-Nachfolge. DerenInvestitionsvolumen wuchs um knapp 50 % auf 4,6 Mrd. € an. Die Zahl der erfasstenTransaktionen blieb dabei nahezu unverändert (2011: 108, 2010: 109) – ein Beleg für einegestiegene Zahl größerer Transaktionen. Mit 0,69 Mrd. € verfehlten die Venture Capital-Investitionen das Vorjahresergebnis (0,72 Mrd. €) knapp. Auch die Zahl der finanzierten Unternehmenblieb mit 879 hinter dem Vorjahr (965) zurück. Mittelstandsorientierte Minderheitsbeteiligungen(Growth-/Wachstums-, Replacement-, Turnaround-Finanzierungen) summiertensich auf 0,63 Mrd. €. Das Ergebnis des Vorjahres (1,11 Mrd. €) wurde damit verfehlt.Dies war allerdings durch eine einzelne sehr große Minderheitsbeteiligung bei einem Familienunternehmengeprägt.

Das Fundraising der deutschen Beteiligungsgesellschaften erreichte ein Volumen von 2,83Mrd. € ? das entspricht mehr als einer Verdoppelung im Vergleich zum Vorjahr (1,20 Mrd. €).Grund für diesen deutlichen Anstieg waren einige öffentliche Fonds sowie Fonds privater Beteiligungsgesellschaften,die in Einzelfällen dreistellige Millionenbeträge erreichen konnten.Damit nähert sich das Fundraising nach den sehr schwierigen Jahren 2009 und 2010 wiedernormalem Niveau. "Trotzdem bleibt festzustellen, dass die Zahl neuer Fonds, insbesonderevon privaten Beteiligungsgesellschaften, auf niedrigem Niveau verharrt und keine grundsätzlicheVerbesserung der Fundraising-Situation deutscher Beteiligungsgesellschaften konstatiertwerden kann. Die anhaltende Gefahr für die Kapitalmärkte durch die noch schwelende Euro-Schuldenkrise stützt die Zurückhaltung institutioneller Investoren – zum Nachteil ihrer in PrivateEquity-Engagements", so BVK-Vorstandsvorsitzender Matthias Kues.

Ausblick ist verhalten optimistisch

Trotz eines erneut guten Jahres sind die Perspektiven nur bedingt optimistisch. "Inwiefern sichder Aufschwung im Markt auch 2012 fortsetzen lässt, wird maßgeblich von den politischenErfolgen bei der Eindämmung der Staatsschuldenkrise abhängen. Die Kapitalmärkte reagierenerfahrungsgemäß sehr sensibel auf Störungen", so Dr. Hanns Ostmeier, Präsident des BVK.Grundsätzlich sind die Beteiligungsgesellschaften aber zuversichtlich für das Jahr 2012. Dasbelegt die "Private Equity-Prognose 2012", eine Befragung der BVK-Mitglieder zu ihren Erwartungenbezüglich des Fundraisings, der Investitionen und der Beteiligungsverkäufe in diesemJahr. So prognostizieren mehr als die Hälfte der Gesellschaften einen leichten oder deutlichenInvestitionsanstieg in ihrem Marktsegment und weitere 30 % sehen die Investitionen auf demgleichen Niveau wie 2011. Beteiligungsgesellschaften im Bereich Wachstumsfinanzierungen/Gesellschafter-Nachfolge sind dabei optimistischer als die Venture Capital-Vertreter.

Ebenfalls optimistisch fallen die Erwartungen hinsichtlich der Möglichkeiten aus, Beteiligungenerfolgreich zu veräußern. Nahezu die Hälfte der Befragten geht von einer Zunahme der Unternehmensverkäufeaus, weitere 44 % von einem zumindest gleichbleibenden Niveau. Tendenziellam zuversichtlichsten ist man bei Trade Sales und bei Verkäufen an andere Beteiligungsgesellschaften.Deutlich kritischer schätzen die Befragten die Exit-Möglichkeiten über einenBörsengang ein. Aber: Jede fünfte Gesellschaft gab an, über mindestens ein börsenreifes Unternehmenim Portfolio zu verfügen, und insgesamt wurden 34 Portfoliounternehmen als börsenreifbeurteilt.

Ganz oben auf der Agenda der Beteiligungsgesellschaften wird auch 2012 das Fundraisingstehen. 30 Gesellschaften gaben an, bereits mit dem Fundraising begonnen zu haben oder inden kommenden zwei Jahren zu starten. Dabei wollen sie insgesamt 3,67 Mrd. € neuesFondskapital einsammeln.


Friederike Seliger, Pressesprecherin, Matthias Kues, Vorstandsvorsitzender, Dr. Hanns Ostmeier, Präsident, und Ulrike Hinrichs, Geschäftsführerin