BVK: Deutscher Private Equity-Markt behauptet sich trotz Euro-Krise

"Der deutsche Private Equity-Markt behauptet sich trotz der Wirren der europäischen Schuldenkrise und der unsicheren konjunkturellen Aussichten. Die Investitionen im bisherigen Jahresverlauf haben bereits jetzt das Niveau des gesamten Vorjahres erreicht", so Ulrike Hinrichs, Geschäftsführerin des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) bei der Vorstellung der Statistik für den deutschen Private Equity-Markt im dritten Quartal 2011. Mit Investitionen in Höhe von 4.669 Mio. € in 877 Unternehmen im bisherigen Jahresverlauf konnte nicht nur das Ergebnis des Vergleichszeitraums (3.284 Mio. €) übertroffen, sondern bereits das Gesamtjahresergebnis des Vorjahres mit 4.646 Mio. € erreicht werden.

Im dritten Quartal blieben die Investitionen mit 1.470 Mio. € zwar um fast ein Viertel hinter dem Vorquartalsergebnis (1.887 Mio. €) zurück. Das Ergebnis der ersten drei Monate des Jahres 2011 (1.312 Mio. €) konnte jedoch übertroffen werden. Der aktuelle Investitionsrückgang dürfte maßgeblich auf die Verunsicherung durch die europäische Staatsschuldenkrise und die insgesamt schwierigeren Finanzmarkt- und Finanzierungsbedingungen zurückzuführen sein. Zusammen mit den korrigierten Konjunkturaussichten beeinflusst dies die Investitionsneigung der Unternehmen und damit die Kapitalnachfrage der Unternehmen. Alles in allem erwies sich der Private Equity-Markt allerdings robust gegenüber den widrigen gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Von den Gesamtinvestitionen in Deutschland im dritten Quartal entfielen 1.284 Mio. € und damit 87 Prozent auf Buy-Out-Transaktionen. Sie verfehlten zwar das Vorquartalsergebnis (1.509 Mio. €), übertrafen aber die Investitionen des ersten Quartals (1.014 Mio. €). Die schwierige Situation vieler Banken im Zuge der Diskussionen um die Schuldenkrise und Basel III schlägt sich zumindest derzeit noch nicht in den Buy-Out-Zahlen nieder. Mit 144 Mio. € oder zehn Prozent der Gesamtinvestitionen mussten die Venture Capital-Engagements (Seed, Start up, Later Stage-Venture Capital) einen Rückgang um nahezu ein Viertel im Vergleich zum vorherigen Quartal (190 Mio. €) hinnehmen. Auch das Ergebnis der ersten drei Monate des Jahres mit 170 Mio. € wurde verfehlt.

Im bisherigen Jahresverlauf liegen die Venture Capital-Investitionen in Deutschland mit insgesamt 504 Mio. € trotzdem leicht über dem Vorjahresvergleichswert (475 Mio. €). Ein deutliches Plus weisen die Investitionen im Buy-Out-Bereich auf, die mit 3.807 Mio. € mehr als doppelt so hoch wie der Vorjahresvergleichswert (1.881 Mio. €) liegen. Das Ergebnis des noch von den Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise gezeichneten gesamten Vorjahres (2.833 Mio. €) wurde ebenfalls bereits übertroffen. Der Bereich der Minderheitsbeteiligungen (Growth, Turnaround, Replacement) blieb mit 359 Mio. € deutlich unter dem Niveau der ersten drei Quartale 2010 (929 Mio. €). Grund hierfür ist die geringere Anzahl sehr großer Minderheitsbeteiligungen durch einige Buy-Out-Gesellschaften im laufenden Jahr.

Trotz des guten dritten Quartals fällt der Ausblick verhalten aus. "Ob sich mit dem letzten Jahresquartal der Wachstumstrend der vergangenen vier Halbjahre, in denen wir jeweils Investitionszuwächse beobachten konnten, fortsetzt, bleibt abzuwarten", so Hinrichs. Trotzdem wird das Jahr 2011 nach dem ermutigenden Vorjahr ein weiterer Schritt zur Stabilisierung des deutschen Private Equity-Marktes. "Es bleibt zu hoffen, dass die Politik durch nachhaltige Lösungen für den Euro-Raum das Vertrauen der Märkte zurück gewinnt."