BVK: Deutlich mehr Private Equity-Investitionen im Jahr 2010

Der deutsche Beteiligungskapitalmarkt hat deutlich an Stabilität gewonnen. Dies geht aus der heute vom Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) veröffentlichten Statistik für den deutschen Private Equity-Markt 2010 hervor Die Investitionen in Deutschland stiegen gegenüber dem Vorjahr um 59 % auf 4,44 Mrd. €.

Rund 1.300 zumeist kleine und mittlere Unternehmen wurden mit Beteiligungskapital finanziert und bei der Überwindung der Finanz- und Wirtschaftskrise unterstützt. Nachdem der Markt 2009 durch die Finanz-und Wirtschaftskrise nahezu zum Erliegen gekommen war, konnte das Investitionsniveau nun deutlich und nachhaltig gesteigert werden. Von den Rekordergebnissen aus 2007 bzw. 2008 ist der Markt gleichwohl noch weit entfernt. "Diese Jahre waren Ausnahmen und den damals außergewöhnlichen Marktbedingungen geschuldet. Dagegen sehen wir jetzt ein nachhaltiges Wachstum", so Dr. Hans Ostmeier, BVK-Präsident.

Nachdem das Investitionsvolumen im Jahr 2009 auf 2,78 Mrd. € gefallen war, wurden im vergangenen Jahr 4,44 Mrd. € investiert. Das Gros der Investitionen entfiel wie im Vorjahr auf Mehrheitsbeteiligungen (Buy-Outs). Das hier investierte Kapital summierte sich auf 2,52 Mrd. € – ein Anstieg um mehr als die Hälfte im Vergleich zum Vorjahr. Nachdem 2009 fast ausschließlich kleine Buy-Outs verzeichnet wurden, gab es 2010 auch wieder mehr größere Transaktionen, die maßgeblich zu dem Investitionsplus beigetragen haben. Während 2009 die Zurückhaltung der Banken, die unterschiedlichen Bewertungsvorstellungen von Käufern und Verkäufern sowie die unsicheren Zukunftsaussichten der Unternehmen noch viele Transaktionen scheitern ließen, hat sich die Lage 2010 zum Teil deutlich entspannt. Gerade die angesichts der Konjunkturerholung optimistischeren Geschäftsperspektiven eröffneten für Beteiligungsgesellschaften zahlreiche Chancen. So stiegen auch die mittelstandsorientierten Minderheitsbeteiligungen (Growth/Wachstumsfinanzierungen, Replacements, Turnaround) deutlich von 0,53 Mrd. € auf 1,26 Mrd. €. Auf unverändert niedrigem Niveau zeigt sich dagegen das Venture Capital-Segment, wo die Investitionen bei 0,65 Mrd. € verharrten. Innerhalb dieses Bereichs sanken die Frühphasen-Investitionen (Seed, Start-up) um 11 % auf 0,37 Mrd. €, wohingegen die Later Stage-Venture Capital-Investitionen um fast ein Viertel auf 0,29 Mrd. € zulegten.

Nachdem sich das Fundraising bereits 2009 schwierig gestaltete, entsprach das Ergebnis 2010 den skeptischen Erwartungen aufgrund des immer noch schwierigen Fundraising-Umfelds. Die neu eingeworbenen Mittel lagen mit 0,93 Mrd. € nochmals 13 % unter dem schwachen Vorjahresergebnis (1,07 Mrd. €). Damit war das Fundraising deutscher Beteiligungsgesellschaften zuletzt 1996 so niedrig wie in den letzten beiden Jahren. Zumindest stieg im Vergleich zum Vorjahr der Bestandteil der durch unabhängiges Fundraisings bei institutionellen und privaten Investoren eingeworbenen Mittel leicht von 0,68 Mrd. € auf 0,75 Mrd. €.

Konjunkturentwicklung sorgt für positiven Ausblick

Das positive wirtschaftliche Umfeld und die Konjunkturaussichten werden die entscheidenden Impulsgeber für den deutschen Private Equity-Markt sein. "Wachstumspläne und Investitionsvorhaben der Unternehmen werden die Nachfrage nach Beteiligungskapital weiter hoch halten", prognostiziert Dr. Ostmeier. "Die hierzu nötigen Mittel sind bei den Beteiligungsgesellschaften vorhanden, und wir erwarten für 2011 ein zumindest vergleichbares Investitionsniveau wie im Vorjahr", ergänzt BVK-Geschäftsführerin Dörte Höppner.

Auch die deutschen Beteiligungsgesellschaften sind optimistisch, dass sich die Erholung des hiesigen Marktes im laufenden Jahr fortsetzen wird. Das belegt die "Private Equity-Prognose 2011", eine Befragung der BVK-Mitglieder zu ihren Erwartungen bezüglich des Fundraisings, der Investitionen und der Beteiligungsverkäufe. So gehen mehr als drei Viertel der 132 an der Befragung teilgenommenen Gesellschaften für 2011 von einem Anstieg der Investitionen in ihrem Marktsegment aus. Dabei sind die Beteiligungsgesellschaften im Bereich Wachstumsfinanzierungen/Buy-Outs deutlich optimistischer als die Venture Capital-Vertreter. Für den Buy-Out-Bereich nannten zwei Drittel der dort aktiven Gesellschaften Secondary Buy-Outs als wichtigste Dealflow-Quelle. Erst danach wurden Übernahmen von Konzern- oder Unternehmensteilen und Wachstumsfinanzierungen bzw. Minderheitsbeteiligungen bei Familienunternehmen genannt.

Optimistisch sind die Beteiligungsgesellschaften auch hinsichtlich ihrer Exit-Möglichkeiten. 80 % erwarten eine Zunahme der Unternehmensverkäufe. Besonders positiv sind die Gesellschaften hinsichtlich der Verkäufe an strategische Investoren (Trade Sales). Aber auch Börsengängen von Portfoliounternehmen werden zunehmend Chancen eingeräumt. Gut ein Viertel der Befragten verfügt über mindestens ein börsenreifes Unternehmen im Portfolio. Insgesamt wurden 46 Portfoliounternehmen als börsenreif beurteilt.

Fundraising wird für die Beteiligungsgesellschaften ein bestimmendes Thema im Jahr 2011 sein. Viele Beteiligungsgesellschaften hatten wegen der Finanzkrise und der anhaltenden Zurückhaltung institutioneller Investoren den Start ihres Fundraisings verschieben oder verlängern müssen, weshalb der Kapitalbedarf für neue Fonds weiterhin hoch ist. 39 Gesellschaften gaben an, bereits mit dem Fundraising begonnen zu haben oder in den kommenden zwei Jahren zu starten. Dabei wollen sie insgesamt 4,21 Mrd. € neues Fondskapital einsammeln.