BVK: AIFM-Regulierung kann Finanzierung für KMUs und Innovationen erschweren

Marktstatistik zum 3. Quartal 2010 zeigt Bedeutung von Beteiligungskapital für deutsche Unternehmen.

In seiner heutigen Plenarsitzung verabschiedete das Europäische Parlament die Richtlinie für Alternative Investment Fund Manager (AIFM). Darin wird unter anderem festgelegt, wie Private Equity Manager künftig auf EU-Ebene reguliert werden. So werden Registrierungs- und Informationspflichten gegenüber den nationalen Aufsichtsbehörden festgelegt sowie Mindestkapitalanforderungen und Bewertungsrichtlinien, die von den Fondsmanagern erfüllt werden müssen. Private Equity-finanzierte Unternehmen müssen künftig mehr veröffentlichen. Im Gegenzug wird es in Zukunft möglich sein, Private Equity-Fonds nach einheitlichen Binnenmarktregeln mit einem EU-Passport zu vermarkten.

"Grundsätzlich begrüßen wir es, dass die AIFM-Richtlinie heute vom Europäischen Parlament verabschiedet werden konnte", so Hanns Ostmeier, Präsident des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK). "Die deutsche Wirtschaft braucht für ihr Wachstum Kapital und Private Equity kann dieses Kapital bereitstellen. Deshalb ist es gut, dass unsere Branche und unsere Investoren jetzt endlich Rechtssicherheit haben. Die Anwendung eines einheitlichen EU-Regelwerks anstelle von 27 verschiedenen nationalen Systemen wird dem Anspruch des EU-Binnenmarktes gerecht", so Ostmeier. Die Bundesregierung muss nun innerhalb der nächsten zwei Jahre die AIFM-Richtlinie in nationales Recht übersetzen. Ostmeier: "Die Bundesregierung sollte diese Gelegenheit nutzen, um den längst überfälligen Private Equity-Kapitalmarktrahmen einzuführen, der neben dem EU-harmonisierten Aufsichtsregime auch die steuerrechtliche Regulierung deutscher Private Equity-Fonds internationalen Maßstäben anpasst."

Freilich entsprechen nicht alle Regelungen dem Leitbild einer angemessenen und sachgerechten Regulierung. So werden gerade kleinere Beteiligungsgesellschaften, die sich auf Druck ihrer Investoren freiwillig unter die Richtlinie begeben müssen, unverhältnismäßig hoch belastet. "Hier müssen sich die politischen Entscheidungsträger im weiteren Prozess überlegen, ob sie es riskieren wollen, jungen Technologienunternehmen und innovativen Mittelständlern den Zugang zu dringend benötigtem Kapital zu erschweren", gibt Ostmeier zu bedenken.

Massiv fällt seine Kritik in Hinblick auf die neuen Veröffentlichungspflichten von Private Equity-finanzierten Unternehmen aus: "Es kann nicht sein, dass künftig Unternehmen mit Beteiligungskapital mehr offenlegen müssen als ihre Konkurrenz. Das ist ein echter Wettbewerbsnachteil für diese Unternehmen. Außerdem muss uns mal jemand erklären, warum ein Unternehmen, dass von einem Staatsfonds oder Privatinvestor erworben wurde, nicht unter die neuen Regelungen fällt. Wenn der Gesetzgeber mehr Transparenz schaffen will, ist es geboten, alle Investoren gleich zu behandeln."

Uli Fricke, Vorsitzende des Europäischen Private Equity und Venture Capital Verbandes EVCA, kritisiert, dass der Richtlinie keine Folgeabschätzung voranging: "Zu keiner Zeit während des legislativen Prozesses wurden mögliche Auswirkungen der Regulierung auf die Unternehmensfinanzierung in Europa untersucht. Die Gewährleistung des Zugangs kleiner und mittelständischer sowie innovativer Unternehmen zu Eigenkapitalfinanzierungen hat sich die EU eigentlich auf die Fahnen geschrieben. Das kann man in zahlreichen Dokumenten und Arbeitsprogrammen nachlesen. Wenn diese Ziele jetzt durch die AIFM-Richtlinie gefährdet werden, haben die Unternehmen in Europa den Schaden."

Dass Beteiligungskapital insbesondere im jetzigen konjunkturellen Aufschwung eine wichtige Finanzierungsalternative ist, belegt auch die aktuelle Marktstatistik des BVK zum dritten Quartal 2010. Im abgelaufenen Quartal lagen die Private Equity-Investitionen in Deutschland bei 1,02 Mrd. €, investiert in 388 Unternehmen, was einem Zuwachs von mehr als einem Drittel im Vergleich zum Vorquartal (0,74 Mrd. €) entspricht. Im bisherigen Jahresverlauf summierten sich die Investitionen hierzulande auf 3,31 Mrd. € bei 938 Unternehmen und übertrafen damit nicht nur das Vergleichsergebnis des Vorjahres (1,48 Mrd. €), sondern auch die Investitionen des gesamten Jahres 2009 in Höhe von 2,74 Mrd. €. Allerdings waren die Private Equity-Aktivitäten im Vorjahr aufgrund der Turbulenzen in der Wirtschaft deutlich eingebrochen, was den Investitionssprung relativiert. "Wir erleben eine nachhaltige Stabilisierung nach den Einschnitten der Finanz- und Wirtschaftskrise", kommentiert BVK-Geschäftsführerin Dörte Höppner die aktuellen Marktzahlen. "Deutsche Unternehmen wollen wachsen. Dafür brauchen sie Kapital. Die Beteiligungsbranche kann dieses Kapital zur Verfügung stellen. Wir rechnen deshalb auch weiterhin mit einer regen Nachfrage".

Von den im bisherigen Jahresverlauf in Deutschland investierten Mitteln entfielen 0,40 Mrd. € auf Venture Capital-Investitionen, was annähernd dem Vorjahresniveau (0,43 Mrd. €) entspricht. Deutliche Zuwächse verzeichneten dagegen sowohl die Buy-out-Investitionen, die sich von 0,69 Mrd. € auf 1,80 Mrd. € nahezu verdreifachten, als auch die Minderheitsbeteiligungen (Growth, Turnaround, Replacement) von 0,35 Mrd. € auf 1,12 Mrd. €.