BVK: Gesamtmarkt bleibt robust, Venture Capital weiter im Aufwind

Neues aus dem BVK
27.02.2017

"In wechselhaften Zeiten hat sich der deutsche Beteiligungskapitalmarkt als robuster Anker erwiesen und seine wichtige Finanzierungsfunktion insbesondere im Start-up-Bereich untermauert. Insgesamt wurden im letzten Jahr 5,7 Mrd. Euro in rund 1.000 Unternehmen investiert", sagt Joachim von Ribbentrop, Sprecher des Vorstandes des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) auf der Pressekonferenz zur heute veröffentlichten Statistik für den deutschen Private Equity-Markt 2016. Das Volumen des Vorjahres wurde damit um 14 Prozent knapp verfehlt. Im Jahr 2015 hatten Beteiligungsgesellschaften 6,6 Mrd. € in Deutschland investiert. Die Private Equity-Investitionen bewegen sich aber seit 2011 in Deutschland auf einem insgesamt stabilen Niveau zwischen 5,1 Mrd. € (2013) und 7,1 Mrd. € (2014).

„Wenngleich die großen Mehrheitsübernahmen maßgeblich die Marktentwicklung beeinflussen, waren es im letzten Jahr wieder vor allem kleine und mittelständische Unternehmen, die mit Beteiligungskapital unterstützt wurden“, so Joachim von Ribbentrop. Neun von zehn im Jahresverlauf finanzierte Unternehmen beschäftigen weniger als 500 Mitarbeiter oder setzen weniger als 100 Mio. € um.

Kräftiges Plus bei Venture Capital-Investitionen

Entgegen der allgemeinen Marktentwicklung konnten die Venture Capital-Investitionen auf 0,93 Mrd. € zulegen und erreichen die höchsten Jahresinvestitionen seit 2008. Im Jahr zuvor wurden 0,84 Mrd. € investiert. Die 568 VC-finanzierten Unternehmen machten erneut deutlich mehr als die Hälfte aller im letzten Jahr finanzierten Unternehmen aus. „Der seit 2012 zu beobachtende Aufwärtstrend in der Start-up-Finanzierung bleibt damit ungebrochen“, zieht von Ribbentrop ein positives Fazit. „Marktteilnehmer und Politik sind aber weiterhin aufgerufen, gemeinsam Wege zu finden, mehr Kapital für deutsche Start-ups zu mobilisieren. Wir stehen gerade im Hinblick auf die bevorstehende Bundestagswahl im engen Austausch mit allen Beteiligten“, fügt Ulrike Hinrichs, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des BVK, hinzu.

Lebhafter Buy-Out-Markt

Wirtschaftlich starke Unternehmen mit positiven Geschäftsaussichten sowie günstige Finanzierungsbedingungen boten den Buy-Out-Investoren wieder ein gutes Umfeld. Dies wurde nicht zuletzt durch die Milliarden-Transaktionen bei Atotech, OfficeFirst, Xella, Bilfinger Building and Facility, der Airbus Militärtechnik und Solvay Acetow geschaffen. „Gerade im letzten Quartal zogen die Aktivitäten hier noch einmal an“, so von Ribbentrop. „Im Buy-Out-Markt treffen weiterhin vorteilhafte Finanzierungsbedingungen und gut kapitalisierte Fonds durchaus auch auf hohe Unternehmensbewertungen“. Trotzdem sanken die Buy-Out-Investitionen um rund 10 Prozent auf 4,3 Mrd. €. „Einige der sehr großen Transaktionen wurden zum Jahresende verkündet. Sie werden erst in diesem Jahr abgeschlossen und wirken sich positiv auf die Marktzahlen im laufenden Jahr aus“, ergänzt von Ribbentrop. Bei den mittelstandsorientierten Minderheitsbeteiligungen (Wachstums-, Replacement- und Turnaround-Finanzierungen) halbierte sich das Investitionsvolumen aufgrund weniger sehr großer Minderheitsbeteiligungen von 0,93 Mrd. € auf 0,45 Mrd. €.

Kräftiges Plus beim Fundraising

2016 konnten die deutschen Gesellschaften mit 2,33 Mrd. € gut die Hälfte mehr Kapital einsammeln als im Jahr zuvor. Während Buy-Out-Fonds mit 1,27 Mrd. € die neuen Mittel mehr als verdoppeln konnten, blieb das Venture Capital-Fundraising mit 0,55 Mrd. € rund ein Viertel unter dem starken Vorjahresergebnis. „In der aktuellen Niedrigzinsphase suchen institutionelle Investoren verstärkt nach renditeträchtigen Investitionsmöglichkeiten. Dies kommt vor allem den Buy-Out-Gesellschaften zugute, wogegen Venture Capital-Fonds nicht im gleichen Maß profitieren“, so von Ribbentrop.

Private Equity-Prognose: Beteiligungsgesellschaften optimistisch für 2017

Für 2017 sind die Beteiligungsgesellschaften vorsichtig optimistisch und planen tendenziell ihre Investitionen auszubauen. In der „Private Equity-Prognose“, einer Befragung der Beteiligungsgesellschaften zu ihren Erwartungen für das laufende Jahr, erwartet jede zweite Gesellschaft, ihre Investitionen leicht oder deutlich auszubauen. Weitere 45 % sehen die eigenen Investitionen auf dem Niveau von 2016. Allerdings sind insbesondere die Vertreter aus dem Bereich Wachstumsfinanzierungen/Buy-Outs zurückhaltender geworden. Während hier der Anteil der Optimisten unter den Vorjahreswert fiel, stieg dieser bei den Venture Capital-Gesellschaften sogar leicht an. Gleichzeit halbierte sich der Anteil derjenigen Wagniskapitalfinanzierer, die einen Rückgang der eigenen Investitionen erwarten. „Sollten die Rahmenbedingungen stabil bleiben, erwarten wir die Investitionen im laufenden Jahr mindestens auf dem Niveau des Vorjahres. Im Venture Capital-Segment sind wir optimistisch, dass der Markt den Aufwärtstrend fortsetzen kann“, sieht von Ribbentrop voraus.

Die statistischen Daten unterliegen fortlaufender Aktualisierung und können von früheren und späteren Auswertungen abweichen. Die gesamte Statistik finden Sie hier.


 

Fragen & Antworten zur BVK-Statistik 2016:

Wie entwickelten sich die Investitionen in den einzelnen Marktsegmenten?

Im Venture Capital-Segment investierten Beteiligungsgesellschaften 2016 mit 0,93 Mrd. € 13 % mehr als im Vorjahr, wobei insbesondere Later Stage-Venture Capital deutlich zulegen konnte. Wachstumsfinanzierungen (Growth) und weitere Minderheitsbeteiligungen (Replacement, Turnaround) summierten sich auf 0,45 Mrd. € und blieben aufgrund weniger großer Einzelinvestitionen bei etablierten Mittelständlern deutlich unter dem Vorjahreswert von 0,93 Mrd. €. Die Buy-Out-Investitionen sanken leicht von 4,83 Mrd. € auf 4,3 Mrd. €. Auch die Transaktionszahl ging leicht von 120 auf 110 zurück.

Welche Unternehmen werden hauptsächlich mit Beteiligungskapital finanziert?

Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen werden durch Beteiligungskapital unterstützt. 94 % der im Jahresverlauf finanzierten Unternehmen beschäftigten weniger als 500 Mitarbeiter, 79 % sogar weniger als 100 Mitarbeiter. Vier von fünf Unternehmen setzten weniger als 10 Mio. € um und nur 5 % mehr als 100 Mio. €. Die mehr als 5.000 mit Beteiligungskapital finanzierten Unternehmen in Deutschland beschäftigen rund 912.000 Mitarbeiter und setzen insgesamt 179 Mrd. € um.

In welchen Regionen wurde hauptsächlich investiert?

An der Spitze der Bundesländer stehen Bayern (22 % der Investitionen) und Hessen (19 %) mit deutlichem Abstand vor Baden-Württemberg (11 %) und Rheinland-Pfalz (10 %). Bayern konnte damit die Spitzenposition verteidigen.

Wie entwickelte sich das Fundraising?

Das Fundraising summierte sich auf 2,33 Mrd. €, ein Plus von mehr als der Hälfte gegenüber dem Vorjahr (1,53 Mrd. €). Buy-Out-Fonds konnten mit 1,27 Mrd. € das Volumen der neuen Mittel mehr als verdreifachen (0,36 Mrd. €). Ebenfalls deutlich mehr einsammeln konnten Generalisten. Hier stieg das Fundraising von 0,16 Mrd. € auf 0,46 Mrd. €. Dagegen blieb das Venture Capital-Fundraising mit 0,55 Mrd. € rund ein Viertel unter dem Vorjahresergebnis von 0,74 Mrd. €.  

Welche Aspekte könnten die Aussichten der Beteiligungsbranche für 2017 beeinflussen?

Die Entwicklungen in wichtigen Ländern wie den USA, Großbritannien oder China sind für die Exportnation Deutschland von genereller Bedeutung, ebenso die Zinspolitik in Europa. Marktspezifische Unsicherheiten liegen im weiterhin hohen Bewertungsniveau. Hier erwarten die Beteiligungsgesellschaften laut „Private Equity-Prognose“ auch 2017 keine grundsätzliche Trendumkehr. Zwar gehen fast zwei Drittel der befragten Gesellschaften von unveränderten Bewertungen der Zielunternehmen aus. Immerhin ein gutes Viertel erwartet aber weiter steigende Unternehmensbewertungen.