Warum erhalten die PE-Gesellschaften Steuergeschenke vom Staat?

Beim Thema Steuern muss man in Deutschland zwei Bereiche voneinander trennen: zum einen geht es um die steuerliche Behandlung der Private Equity-Fonds, zum anderen um die Besteuerung der Private Equity-Manager. Bei den Fonds geht es darum, dass diese überall auf der Welt Kapital einsammeln. Dies ist das Kapital von großen institutionellen Anlegern, vor allem von Pensionskassen. Diese internationalen Anleger investieren nur dann in Fonds, wenn diese Fonds steuertransparent sind. Steuertransparent oder auch vermögensverwaltend ist ein Fonds dann, wenn nur die Anleger, nicht aber der Fonds selbst besteuert werden. In Deutschland gibt es kein Gesetz, das diesen steuertransparenten Status der Private Equity-Fonds festlegt. Dabei unterscheiden sich Private Equity-Fonds nicht von Investmentfonds oder Immobilienfonds, bei denen diese Steuertransparenz auch gesetzlich festgeschrieben ist.
Hier geht es also nicht um Steuergeschenke. Vielmehr fordert die PE-Branche in Deutschland seit langem, dass die Steuertransparenz nicht nur durch ein Verwaltungsschreiben festgelegt ist (das ist derzeit der Fall) sondern auch durch ein Gesetz. Ansonsten können deutsche Private Equity-Fonds nicht genug Kapital einsammeln. Selbst deutsche Anleger werden ihr Geld lieber an ausländische Fonds geben, welche die Steuertransparenz ihrer Fonds garantieren können.
Die Private Equity-Manager verdienen alle ein festes Gehalt. Dieses Gehalt versteuern sie ganz normal wie jeder andere Erwerbstätige in Deutschland auch – nach der Einkommenssteuer. Auch wenn sie einen Bonus bekommen, weil sie besonders gut gearbeitet haben, versteuern sie diesen nach der Einkommenssteuer. Etwa jeder fünfte Private Equity-Manager in Deutschland hat darüber hinaus die Möglichkeit, in seinen eigenen Fonds, den er betreut, zu investieren. Von vielen wird das sogar erwartet. Sie sollen sich also mit ihrem eigenen Geld an ihrem Fonds beteiligen und tragen damit wie die anderen Anleger auch das volle Risiko. Ein Private Equity-Fonds hat in der Regel eine Laufzeit von etwa zehn Jahren. Wenn der Fonds mit einem Gewinn abschließt (weil die Unternehmen, in die der Fonds investiert hat, an Wert gewonnen haben und mit Gewinn weiterverkauft werden konnten), wird zunächst der ursprüngliche Einsatz an alle Investoren ausbezahlt. Der Gewinn wird dann meist aufgeteilt, so wie es zu Beginn mit den Investoren vereinbart wurde. Meistens erhalten die Investoren 80% des Gewinns, 20% gehen an die Privater Equity-Gesellschaft, die diesen Anteil dann unter den PE-Managern aufteilt. Diesen Gewinnanteil nennt man auch Carried Interest. Da es sich um einen Kapitalgewinn aus einem Veräußerungsertrag handelt, wird dieser Betrag in Deutschland nach dem Halbeinkünfteverfahren besteuert – wie jeder andere Kapitalertrag auch. Das heißt, dass der Betrag mit der Hälfte des Einkommenssteuersatzes besteuert wird. Das ist bei anderen Kapitalgewinnen, also beispielsweise dem Ertrag aus einem Aktienfonds einer anderen Kapitalanlage identisch.