Verfolgen große Kapitalbeteiligungsgesellschaften andere Strategien als kleine Gesellschaften?

Für große Beteiligungsgesellschaften (Large Buy-Outs) gelten andere Voraussetzungen als für kleinere Gesellschaften. Das hat damit zu tun, dass sich die finanzierten Unternehmen grundlegend unterscheiden. Die großen Private Equity-Investoren beteiligen sich in der Regel an etablierten, gewachsenen großen und mittelständischen Unternehmen mit Umsätzen im dreistelligen Millionen- oder manchmal sogar Milliardenbereich. Diese verfügen über bestehende Strukturen, Produkte, Kundenbindungen etc. Kleinere Beteiligungsgesellschaften, die z.B. im Wagniskapital-Bereich tätig sind, investieren in Unternehmensgründungen und junge Unternehmen, die ganz andere Anforderungen an ihre Kapitalgeber stellen. Hier geht es um den Aufbau eines Unternehmens und seiner Strukturen und Prozesse.

Feste Kriterien oder Grenzen existieren jedoch nicht. Da reale Zahlenwerte, z.B. für Investitionshöhen, hierfür nicht genutzt werden können, unterscheidet man die Gesellschaften meist nach ihrem Investitionsfokus, und zwar: Frühphasenfinanzierer (Early Stage), Spätphasenfinanzierer (Later Stage), kleine und mittelgroße Buy-Out-Gesellschaften und die oben genannten Large Buy-Out-Gesellschaften.

Abhängige und unabhängige Kapitalbeteiligungsgesellschaften können sich in Hinblick auf ihre Strategien durchaus unterscheiden. Abhängige Gesellschaften können im Einzelfall bei ihren Investments auch die Interessen der jeweiligen Muttergesellschaft berücksichtigen und nicht, wie etwa eine unabhängige Gesellschaft, nach reinen Rendite-/Gewinngesichtspunkten investieren. Dieser Einfluss durch die Muttergesellschaft ist in der Praxis allerdings unterschiedlich stark, so dass es auch abhängige Gesellschaften gibt, die praktisch unabhängig agieren können. Klassisches Beispiel für eine abhängige Gesellschaft sind die sogenannten Corporate Venture Capital-Gesellschaften, also die Beteiligungsgesellschaften der Industriekonzerne. Diese berücksichtigen bei ihren Investitionen in gewissem Maße auch die Interessen und Ziele der Muttergesellschaft, d.h. sie gehen meist Beteiligungen an Unternehmen ein, die mögliche Synergien für die Mutter bringen können oder etwa Erkenntnisse in der Forschung. Dies wird als Window on Technology bezeichnet.