Entlassen durch Mehrheitsbeteiligung finanzierte Firmen mehr Arbeitnehmer als andere Unternehmen?

Nein. Private Equity-Investoren haben ein Interesse daran, dass die Firmen, in die sie investieren, überdurchschnittlich wachsen. Ihr Ziel ist es, Firmen weiterzuentwickeln. Dies führt in vielen Fällen auch zu zusätzlichen Arbeitsplätzen. In den Jahren 2000 bis 2004 ist laut einer Studie der PricewaterhouseCoopers AG die Anzahl der Arbeitsplätze in den untersuchten Unternehmen in der Summe um mehr als 20 Prozent gestiegen. Betrachtet man darüber hinaus einen konkreten Fall wie Kabel Deutschland, so erkennt man, dass sich die Beschäftigtenzahl von 2.240 im Jahr 2002 auf 2.610 im Jahr 2006 erhöhte. Gleiches gilt für Seat Pagine Gialle, deren Beschäftigtenzahl von 5.340 im Jahr 2004 auf 6.660 im Jahr 2006 stieg.

Zwar kann es sein, dass bei einer Übernahme durch eine Private Equity-Gesellschaft in erster Instanz Arbeitsplätze gestrichen oder ausgelagert werden. Grund dafür sind normale Restrukturierungs- oder Anpassungsprozesse, die es in jedem Unternehmen gibt – unabhängig davon, ob es Private Equity-finanziert ist oder nicht. Umbau und Stellenabbau sind damit ein permanenter Prozess in einer Wettbewerbswirtschaft. Dies kann man jüngst auch bei Großkonzernen wie Siemens, Henkel oder BMW beobachten, die jeweils mehrere tausend Stellen abbauen wollen. Auch Continental und die Deutsche Telekom planen einen massiven Stellenabbau.

Ziel der Private Equity-Investoren ist es, den Wert des Unternehmens nachhaltig zu steigern, so dass sich – langfristig betrachtet – Beschäftigungszuwächse beobachten lassen. Dazu werden üblicherweise im Anschluss an die Restrukturierungsphase wieder Arbeitsplätze geschaffen. Die nachhaltige Wertsteigerung des Unternehmens ist das erste Interesse des Private-Equity-Investors – ohne ein starkes Team hinter sich, kann er dieses Ziel nicht erreichen. Deswegen sind Massenentlassungen nicht im Interesse von Private Equity-Investoren.

Dass Private Equity-Investoren kein Interesse am Streichen von Arbeitsplätzen haben, veranschaulicht auch eine jüngst publizierte Studie, in der sich ein Forscherteam um Christian Andres von der Universität Bonn, mit den Aktivitäten der Private Equity-Investoren in Deutschland befasst hat. Die Studie mit dem Titel Economic Consequences of Private Equity Investments on the German Stock Market finden Sie im Expertise-Bereich dieser Website. Ein Interview mit Herrn Andres finden Sie unter: http://www.zeit.de/online/2008/05/interview-andres