Windrose Fernreisen Touristik GmbH: Luxusreiseveranstalter stellt Weichen für Nachfolge

„Reisen ist das einzig Taugliche gegen die Beschleunigung der Zeit“, stellte schon Schriftsteller Thomas Mann fest. Auf Reisen mit der Windrose Fernreisen Touristik GmbH dreht sich die Welt vermutlich noch etwas langsamer: Das Berliner Unternehmen offeriert Reisen deluxe – abseits von Pauschalangeboten und Massentourismus. Nach 35 Jahren im Geschäft bereitet Mitgründer und Geschäftsführender Gesell­schafter Dr. Peter Holzinger nun seine Nachfolge vor. Dafür holte er sich im April den Finanzinvestor Waterland Private Equity ins Boot.

Die Anfänge: Studienreisen zu außereuropäischen Zielen

Zur Safari nach Namibia, eine Kreuzfahrt auf dem Jangtse, die Naturschätze Neuseelands, das Erbe der Maya in Gua­temala oder die einzigartige Tierwelt des Galapagos-Archi­pels – der Berliner Luxusveranstalter Windrose Fernreisen organisiert Reisen zu den schönsten und entlegensten Winkeln der Welt. Nicht nur die Reiseziele sind exquisit: Windrose wirbt mit Sehenswertem abseits der Standard­routen, ausgewählten Hotels, Limousinen vor Ort, Gourmet-Restaurants oder auch einmal mit einer privaten Orchesteraufführung im Opernhaus von Weltrenommee. 1973 gründete Dr. Peter Holzinger, heute geschäftsführen­der Gesellschafter, gemeinsam mit drei Freunden Wind­ro­se als Veranstalter von Studienreisen zu außereuro­päischen Zielen. Im Mittelpunkt des Angebots standen anspruchsvolle Kulturreisen in Zusammenarbeit mit Universitäten, Museen und Stiftungen sowie Leserreisen in Kooperation mit Medienpartnern. Dass ihnen in den ers­ten Geschäftsjahren ein rauer Wind entgegen wehte, verriet Holzinger kürzlich der Presse: „Es war schon ein Prob­lem, teure Reisen unter unbekanntem Namen anzubieten.“ Als Windrose 1975 den Berliner Zoo als Kooperationspart­ner gewann, ging es aufwärts.

Auf Abwegen: Jenseits des Massentourismus

Mitte der 1980er Jahre eröffnete der Reiseveranstalter eine Dependance in Wien. In Berlin betreute er große Firmen wie Mercedes und die Telekom durch die Sparte Business Travel. „Die ersten Luxusreisen haben wir 1987 angeboten, als bei den Fernreisenden ein wachsendes Interesse an Komfort, an Reisen ohne Enge, Hetze, Massen deutlich wurde“, erzählt Holzinger. 1996 hat das Unternehmen schließlich die Sparte Business Travel an Kuoni, Zürich, verkauft. Das Unternehmen fokussiert sich seither auf Komfortreisen, die es seit 2007 in zwei Katalogen anbietet: „DeLuxe Reisen“, maßgeschneidert auf die Wünsche Privatreisender, und „LebensArt auf Reisen“ für kleine Gruppen zu festen Terminen. Der Reiseveranstalter bewegt sich sicher in seiner Marktnische jenseits des Mas­sentourismus: 2007 erwirtschaftete er mit einem Umsatzplus von gut 20% 21,9 Mio. Euro. Seine Reisen vermarktet er heute über Reisebüros, das Internet und nach wie vor über Kooperationen mit Verlagen, Universitäten und Wissenschaftszentren. Zu seinem Kundenkreis zählt Holzinger wohlhabende, risikoscheue, an Weltkultur und Naturwundern interessierte Leute, meist über 50, die Wert auf Komfort und Individualität legen. Dass ihm die Kunden in konjunkturschwachen Zeiten einmal ausgehen, fürchtet er nicht – Zitat Holzinger: „Reiche wird es immer geben.“ 2007 haben 5.618 davon eine Reise bei Windrose gebucht.

Die Nachfolge: Buyout durch Waterland Private Equity

Heute, mit 63 Jahren, denkt Holzinger langsam ans Kürzertreten. Besonders, um selbst mehr Zeit auf Reisen zu verbringen. Deshalb stellte der gebürtige Österreicher die Weichen für seine Nachfolge und holte den Finanzinvestor Waterland Private Equity ins Boot: Die Beteiligungs­gesellschaft hat im April die Mehrheit an Windrose von den vier Gesellschaftern übernommen, einzig Holzinger bleibt mit einer Minderheit beteiligt. „Windrose ist Marktführer bei Luxusreisen mit Inhalt. Das ist ein besonders spannendes Marktsegment, weil es im Gegensatz zur Tourismusbranche insgesamt stark wächst und attraktive Margen abwirft“, begründet Jörg Dreisow, Principal bei Waterland, das Engagement. Der Finanzinvestor ist u. a. auch beim Golfplatzbetreiber Golfrange engagiert. Holzinger wird noch mindestens zwei Jahre als Geschäftsführer bei Windrose bleiben. Dann wird er sich nach und nach zurückziehen, bis ein Nachfolger gefunden ist. „Hol­zinger ist ein Veteran in der Branche, er kennt all ihre Facetten. Und wir haben die gleiche Vision für sein Lebens­werk. Keiner kann das Wachstum von Windrose besser vorantreiben“, so Dreisow. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Holzinger mit einem weiteren Umsatzplus, beson­ders dank des neuesten Coups im Angebotskatalog: Der Luxuskreuzflug, mit dem Windrose zum 35. Firmenjubilä­um lockt. Per Privatjet können Reiselustige die „magischen Orte Südamerikas“ in sieben Ländern besuchen. Zu haben ist der Kreuzflug ab 34.990 Euro pro Person im Doppelzimmer.