Wincor Nixdorf: Erfolgreich in schwieriger Zeit

Vom ostwestfälischen Familienunternehmen zum Börsenliebling: Unterstützt von Kohlberg Kravis Roberts (KKR) und Goldman Sachs Capital Partners (GSCP) schaffte es Wincor Nixdorf, nach der Abspaltung von Siemens auf eigenen Beinen zu stehen und schließlich an die Börse zu gehen – und dies sogar zu einer Zeit, als ein Börsengang nach dem anderen abgesagt wurde.

1952 legte Heinz Nixdorf in Paderborn den Grundstein für die Nixdorf Computer AG und gab damit den Startschuss für eine echte Erfolgsgeschichte. Bereits bis Mitte der 80er Jahre hatte der Unternehmer mit Pioneergeist sein westfälisches Familienunternehmen zum viertgrößten Computerkonzern Europas ausgebaut.

Vier Jahre nach dem Tod Nixdorfs wurde die Nixdorf Computer AG 1990 von der Siemens AG übernommen – es entstand die Siemens Nixdorf Informationssysteme AG. Nach neun Jahren im Konzernverbund entschied sich Siemens jedoch, sich von seinem Tochterunternehmen wieder zu trennen – der Grund: Siemens wollte sich stärker auf sein Kerngeschäft konzentrieren. Und so übernahmen Kohlberg Kravis Roberts (KKR) und Goldman Sachs Capital Partners (GSCP) im Oktober 1999 das Unternehmen und es erfolgte die Umbenennung in Wincor Nixdorf.

Investoren standen Schlange


Bereits zu Siemens-Zeiten lieferte Wincor Nixdorf gute Gewinne. Entsprechend groß war das Interesse bei der Abspaltung von Siemens im Jahr 1999 – rund 30 Bewerber zeigten Interesse, Wincor Nixdorf zu kaufen.

Die Wahl fiel schließlich auf das Team aus KKR und GSCP. Die Investoren konnten nicht nur wegen des gebotenen Preises überzeugen, sondern insbesondere auch durch ihr Zukunftskonzept für Wincor Nixdorf – denn sie waren bereit, von Anfang an den Börsengang mit dem Management zu vereinbaren. Denn diesem war klar: die Investoren würden nicht auf Dauer bei Wincor Nixdorf engagiert bleiben und der Gang an die Börse war der Weg, der dem Unternehmen anschließend die größt-mögliche Freiheit geben würde.

Erfolgreiche Zusammenarbeit


Fünf Jahre brauchten das Wincor-Nixdorf-Management, KKR und GSCP, um das Unternehmen gemeinsam fit für die Börse zu machen. Johannes Huth, Europa-Chef von KKR, sagt: „Als wir Wincor Nixdorf von Siemens übernahmen, war das Unternehmen auf Deutschland fokussiert. Es bestanden daher große Wachstumschancen im Ausland, vor allem in den USA und Asien, aber auch in Europa. Wir haben die Expansion von Wincor Nixdorf intensiv unterstützt und bei der Finanzierung verschiedener Akquisitionen aktiv mitgewirkt. Wincor Nixdorf hat insbesondere in den USA über die Netzwerke von KKR und GSCP Neukunden gewinnen können.“

Alexander Dibelius, Deutschlandchef von Goldman Sachs, fügt hinzu:„Auch im Produktbereich gab es viele Aussichten auf Expansion – so wurde mit unserer Unterstützung die Angebotspalette von Wincor Nixdorf um die Sparte „IT-Service-Leistungen“ erweitert. Zusätzlich dienten KKR und GSCP durch ihr Know-how dem Unternehmen als gute Sparringspartner in Finanzfragen.“

IPO trotz schlechter Wirtschaftslage


Anfang 2004 waren die vereinbarten Ziele erreicht. Dem geplanten Börsengang stand nichts mehr im Wege – bis auf die allgemeine Wirtschaftslage. So gut wie alle Börsengänge wurden abgesagt, nur Wincor Nixdorf wagte den Schritt.

KKR und GSCP brachten schließlich im Mai die Mehrheit ihrer Anteile zu einem Preis an die Börse, der mit 41 Euro am unteren Ende der angepeilten Preisspanne lag. Als KKR und GSCP acht Monate später ihre restlichen Aktien verkauften, lag der Kurs bereits bei 60 Euro.

In den fünf Jahren, in denen KKR und GSCP im Unternehmen engagiert waren, konnte ein Mitarbeiterwachstum von 100 Prozent oder absolut gesehen mehr als 3000 neu geschaffene Arbeitsplätze verzeichnet werden. Zudem wurde der Umsatz um rund 20 Prozent und das operative Ergebnis um mehr als 50 Prozent gesteigert. Der weltweite Marktanteil wurde von 18% auf 25% gesteigert – das Unternehmen konnte sich von weltweit Rang #7 auf Rang #3 bei Geldautomaten und von #4 auf #3 bei programmierbaren Computerkassen verbessern.

Investor und ehemaliges Portfoliounternehmen pflegten während der gemeinsamen fünf Jahre stets ein gutes Verhältnis und verstehen sich auch heute noch gut. So war Johannes Huth bis Anfang 2007 noch Aufsichtsratsvorsitzender von Wincor Nixdorf und mit Alexander Dibelius war auch GSCP in diesem Gremium bis über ein Jahr nach dem Börsengang vertreten.