Tausendkind GmbH: Mit großen Schritten im Markt für die Kleinen

Tausendkind GmbH nutzt geschickt die Marktlücke für hochwertige Baby- und Kinderartikel im E-Commerce. Eine Selbstständigkeit konnte sich Dr. Kathrin Weiß, Mitgründerin und Geschäftsführerin des Online-Kindermodeportals www.tausendkind.de, schon immer vorstellen. Durch Zufall stieß sie während ihrer Tätigkeit als Unternehmensberaterin auf qualitativ hochwertige und gut designte Kinderartikel – die Idee war geboren. Inspiriert durch den ungefähr zeitgleich gelaunchten E-Commerce-Riesen Zalando fühlte sie sich ermutigt, einen Online-Shop aufzubauen. E-Commerce könne funktionieren, so die Rechnung, wenn man ihn denn professionell und nach höchsten Qualitätsansprüchen betreibe.

Klare Nische

Von der Idee bis zur letztlichen Gründung der GmbH im Oktober 2010 verging noch ein gutes Jahr. Zwischenzeitlich hatte Dr. Kathrin Weiß in ihrer Kollegin Dr. Anike von Gagern eine engagierte Mitgründerin gefunden. Der Sommer 2010 stand ganz im Zeichen der Investorensuche\; im Oktober erfolgte dann die Seed-Finanzierung durch den Lead-Investor Gatcombe Park Ventures, den von der IBB Beteiligungsgesellschaft verwalteten VC Fonds Kreativwirtschaft sowie weitere Business Angels. Von anderen Anbietern im hart umkämpften Baby- und Kindermarkt unterscheidet sich tausendkind durch den klaren Schwerpunkt auf das Modesegment und den Aufbau eines Vertrauensverhältnisses zu den Nutzerinnen: „Zum Zeitpunkt unserer Gründung gab es keinen großen, professionellen und gleichzeitig emotionalen Anbieter von Kinder- und Babymode“, erzählt Weiß von ihrer Geschäftsidee. Größte Marktteilnehmer waren Baby Markt, Baby Walz und myToys, die aber einen jeweils anderen Schwerpunkt auf Spielzeug und Hardware hatten oder als Rundumversorger fürs Baby auftraten. „Wir wollten uns aber von vornherein nicht auf den reinen Versand konzentrieren, sondern unseren Nutzerinnen durch eine umfangreiche Ratgebersektion, einen freundlichen Kundenservice und den reibungslosen Versand auch persönlich zur Seite stehen“, ergänzt von Gagern. Das Konzept überzeugte auch viele Investoren, sodass für die Startfinanzierung mehr Geldgeber als eigentlich benötigt zur Verfügung standen.

Starke interne Strukturen

Im Jahr eins nach Gründung ging es vorrangig darum, Strukturen für Einkauf und Personal zu schaffen sowie standardisierte Prozesse für den Online-Handel aufzubauen: Jedes Produkt muss gesichtet, fotografiert, beschrieben und online gestellt werden. Als klaren Vorteil gegenüber Wettbewerbern sieht von Gagern dabei die große Inhouse-Kompetenz ihres Unternehmens: „Vom Marketing- bis zum Entwickler-Team haben wir alles unter einem Dach vereint, das lässt uns schnell reagieren und macht unsere Prozesse sehr effizient“, so die Unternehmerin. Für den Kunden seien die Bereiche Online-Marketing sowie das Management der Schnittstelle zwischen Einkauf und Marketing zwar nicht sichtbar, sie stellten aber eine Kernkompetenz von tausendkind dar. „Gerade im Bereich Online-Marketing sehen wir uns deutlich besser positioniert als unsere Wettbewerber“, so von Gagern. Als neue Marktteilnehmer sind mittlerweile die Kindermodeanbieter 4little und mawaju hinzugekommen\; durch deren vorrangige Konzentration auf das sehr designorientierte Premiumsegment stellten laut von Gagern jedoch auch sie keine direkte Konkurrenz zu tausendkind dar.

Großes Wachstumspotenzial

Nur die Logistik wurde im November 2011 an einen externen Dienstleister übergeben, da zwischenzeitlich 80% der Bürofläche für Lager und Versand reserviert waren. Etwa zeitgleich erfolgte die erste Finanzierungsrunde, bei der neben den Altgesellschaftern noch PDV Inter-Media Venture sowie competence media systems hinzukamen. „Uns haben vor allem die analytischen Fähigkeiten der Gründerinnen und natürlich die bisherige Geschäftsentwicklung überzeugt“, erzählt Renate Dempfle, zuständige Geschäftsführerin bei PDV. Seit Gründung konnte tausendkind kontinuierlich wachsen, 2012 hat sich der Umsatz vom ersten bis zum dritten Quartal laut Unternehmensangaben sogar vervierfacht. „Wir glauben, dass unser Markt extrem attraktiv ist, in Deutschland ist er knapp über 10 Mrd. EUR groß. Gleichzeitig wird das Online-Geschäft immer wichtiger, hinkt im Bereich Babykleidung aber noch hinterher. Wir sehen also große Wachstumschancen“, so von Gagern.

Ausblick

Mittlerweile ist das Team von tausendkind auf 60 Mitarbeiter angewachsen, momentan wird die zweite Finanzierungsrunde vorbereitet. Der jetzige Fokus liegt auf einer Erweiterung des Sortiments, das nicht nur auf Baby- und Kindermode beschränkt bleiben muss: „Unser Ziel ist eindeutig, zu einem One Stop Shop für Kinder und Babys zu werden. Alles, was das Kind braucht, soll die Mami bei uns finden“, so Weiß. Neue Gründungen wie windeln.de, Nonabox oder Wummelkiste sieht die Geschäftsführerin wegen deren jeweiliger Spezialisierung auf das Drogerie- bzw. Geschenkesegment daher gelassen. Auch Christoph Zeller, Investmentmanager bei der IBB Beteiligungsgesellschaft, räumt tausendkind große Entwicklungsmöglichkeiten ein: „Mit dem momentanen Mehrwert aus persönlicher Bindung, qualitativ hochwertigen Marken und professionellem Service ist tausendkind durchaus in der Lage, in drei bis fünf Jahren zum Marktführer aufzusteigen“, so der Investmentmanager. Auch ein Exit durch die Übernahme eines strategischen Investors in der Größenordnung von Amazon ist für ihn nicht ausgeschlossen.

Verena Wenzelis, redaktion@vc-magazin.de