Riemser Arzneimittel AG: Auf Expansionskurs mit spezialsiertem Beteiligungskapital

Zwei Medikamente als Abfindung: Damit hat Norbert Braun Ende der 80er Jahre den Schweizer Pharmariesen Ciba Geigy verlassen und für diese einen neuen Vertrieb aufgebaut. Auf der Suche nach einem Beteiligungsobjekt stieß er 1992 auf die Riemser Tierarzneimittel GmbH – damals noch in der Verwaltung der Treuhandanstalt. Das war die Gelegenheit für Braun.

Er privatisierte die Ausgründung aus dem Friedrich-Loeffler-Institut, baute das Unternehmen systematisch in Richtung Humanmedizin aus und kaufte Pharma- und Kosmetikunternehmen sowie Arzneimittelzulassungen hinzu. 1997 wurde das Unternehmen schließlich in Riemser Arzneimittel GmbH umbenannt, 2001 folgte die Umwandlung zur (noch nicht börsennotierten) Aktiengesellschaft.

Vom Familienunternehmen zum industriellen Mittelständler

Seit der Übernahme durch die Familie Braun 1992 ist der Umsatz der Riemser AG von etwa zwei Mio. DM auf mittlerweile über 100 Mio. EUR gewachsen. 2009 übernahm Dr. Michael Mehler (von Novartis Pharma kommend) als erster familienfremder Vorstandsvorsitzender die Führung des Unternehmens. Über die Braun Hanse Holding ist Familie Braun weiterhin Mehrheitseignerin des Unternehmens - seit Ende 2007 zusammen mit zwei weiteren institutionellen Gesellschaftern: TVM Capital und GE Capital. Ausschlaggebend für die Entscheidung, familienfremde, branchenerfahrene Mitgesellschafter aufzunehmen, war der erhöhte Bedarf an finanziellen Mitteln, um die erfolgreiche Wachstumsstrategie - insbesondere auch durch größere Akquisitionen – umzusetzen. Im Dezember 2007 stieg TVM Capital zunächst mit 10% bei Riemser ein, im März folgte die Erhöhung der Beteiligung auf 25,4% zusammen mit GE Capital. Der Übergang von einem durch die Familie besetzten Vorstand zu familienfremden Managern im Management und Aufsichtsrat verlief entspannt und effektiv. Alle Gesellschafter - und Zug um Zug die industriellen Aufsichtsräte im Personalausschuss - hatten sich ausreichend Zeit genommen, um die vor der Gesellschaft liegenden Wachstumsaufgaben rechtzeitig und präzise zu definieren und geeignete Kandidaten genau kennen zu lernen.

Internationaler Nischenmarkt im Blickfeld

Mit den neuen Gesellschaftern baute das Unternehmen seine Positionen in spezialisierten Nischen des Pharmamarktes systematisch weiter aus – durch eine gesunde Balance aus Akquisitionen und internem Wachstum. Aber auch die Konzentration auf definierte Geschäftsbereiche stärkte das Profil der Riemser AG: Zur Jahreswende 2010/2011 wurde der größte Teil des Veterinärbereichs veräußert – es flossen neue finanzielle Mittel zu, mit denen das Unternehmen weiter ausgebaut werden konnte. Alle Beteiligten haben das klare Ziel vor Augen, durch internationale Spezialisierung zu wachsen. Beteiligungsmanager und Aufsichtsrat Dr. Christoph Schröder ist zufrieden mit der Entwicklung des Investments: „Die Firma hat sich so entwickelt, wie wir uns das vorgestellt haben. Trotz Gesundheitsreform und Finanzkrise hat Riemser durch sein stabiles Portfolio ein solides Wachstum erlebt – das war eine zentrale Investitionshypothese.“ CEO Dr. Michael Mehler bestätigt: „Die Zusammenarbeit mit den Investoren funktioniert sehr gut. Unsere Interessen sind sehr ähnlich gelagert. Damit können wir das Unternehmen gemeinsam nachhaltig weiter entwickeln“.


 

Unternehmensinformationen:

Gründungsjahr: 1992
Branche: Humanpharmazeutika
Unternehmenssitz: Greifswald/Insel Riems
Mitarbeiter: ca. 600
Umsatz 2010: ca 110 Mio. EUR
Beteiligungszeitraum: seit 2008
Internet: www.riemser.com