Progroup AG: Echtes Eigenkapital für die europäische Expansion

Wellpappe kennt man vor allem aus der Verpackungsindustrie. Sie wird dort gern eingesetzt, weil sie leicht und trotzdem sehr stabil ist. Heute ist Wellpappe eine der am weitesten verbreiteten Verpackungen der Welt – und sie kommt oftmals aus der süddeutschen Stadt Landau. Dort sitzt nämlich die Progroup AG, Europas größter unabhängiger Produzent von Wellpappe. Die Unternehmensgruppe ist mit neun Produktionsstandorten und einem Jahresumsatz von rund 480 Mio. € gut aufgestellt. Neben zwei Papierfabriken mit einer Jahreskapazität von 1 Mio. Tonnen Wellpapperohrpapieren gibt es sieben Wellpappeformatwerke.

Drei neue Werke innerhalb eines halben Jahres

Im Juli 2008 stand das Unternehmen jedoch vor einem entscheidenden Expansionsschritt. Sowohl in Eisenhüttenstadt als auch in Polen sollten die beiden nächsten Werke des Unternehmens entstehen, in Eisenhüttenstadt sogar die größte Fabrik für Wellpappenrohpapiere in Deutschland. Zudem ist die Eröffnung des neuen Werkes in England erfolgt. Jürgen Heindl, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Progroup AG: „Seit unserer Gründung im Jahr 1992 sind wir kontinuierlich und nachhaltig gewachsen. Das verdanken wir sowohl unserer Technologieführerschaft als auch unserem in dieser Form einzigartigen Geschäftsmodell. Demzufolge waren wir solide durchfinanziert. Eine derartig signifikante Expansion innerhalb eines halben Jahres war aber auch für uns neu.“

Partnerschaftliche Beteiligung für unabhängiges Unternehmertum

Doch um diese erheblichen Investitionen – die Papierfabrik in Eisenhüttenstadt lag bei 630 Mio. €, das Werk in Polen bei 55 Mio. € – zu bewältigen, brauchte die Progroup AG Kapital. Der Einstieg eines Finanzinvestors war eine nahe liegende Lösung, zumal eine ausschließliche Kreditaufnahme bei Banken aufgrund der beginnenden Finanzkrise nicht nur hochgradig restriktiv gehandhabt wurde, sondern aufgrund der situationsbedingten hohen Risikoaufschläge auch sehr teuer war. Gleichzeitig sollte die unternehmerische Unabhängigkeit nicht gefährdet werden. Als Lösung bot sich die Aufnahme von echtem Eigenkapital im Rahmen einer Kapitalerhöhung an. Als Partner kam die Stuttgarter BWK Unternehmensbeteiligungsgesellschaft mit ins Boot, ein Spezialist für Minderheitsbeteiligungen, der sich als „institutioneller Familiengesellschafter“ versteht und 40 Mio. € in die Progroup einbrachte. Die BWK, die aktuell mit rund 0,5 Mrd. € in 22 Unternehmen investiert, hat im Gegensatz zu den meisten Beteiligungsgesellschaften keine festgelegten Exitzeiträume, sondern bevorzugt langfristige Beteiligungen. „Das Geschäftsmodell der Progroup wie auch das starke Management haben uns überzeugt“, so Matthias Heining, Geschäftsführer der BWK.

Erhebliche Finanzierungsspielräume

Jürgen Heindl: „Dieses Beteiligungsmodell ist für uns vor allem auf lange Sicht die richtige Entscheidung. Dank der Kapitalerhöhung konnten wir unsere Eigenkapitalquote signifikant steigern und uns gerade im Hinblick auf unsere ambitionierte Expansionsstrategie erhebliche Finanzierungsspielräume ermöglichen.“ In der Tat konnte Progroup durch die Kooperation ihre Führungsposition in Europa stark ausbauen. Insgesamt wird das Unternehmen seine Jahresproduktion auf 1 Mio. Tonnen erhöhen und 230 direkte sowie über 500 indirekte Arbeitsplätze schaffen.