MYPARFUM EUROPE GMBH (jetzt UNIQUE Fragrance GmbH): Aufstehen und Weitermachen - Erfolgreicher zweiter Anlauf dank Crowdfunding

"Der eigene Duft ist wie ein Fingerabdruck". So beschreibt Matti Niebelschütz, Mitgründer von MyParfum seine Motivation, den Weg ins Unternehmertum zu gehen. Das Besondere an seiner Idee: Die Online-Plattform MyParfum stellt nicht nur individuelle Düfte her, sondern lässt den Kunden diese sogar selbst kreieren.


Für die Brüder Matti und Yannis Niebelschütz, die MyParmfum 2008 gemeinsam mit einem Freund gründeten, war die recht ungewöhnliche Vorstellung, einen Online-Vertrieb für Duftkreationen zu schaffen, mutig. Immerhin gilt Parfum als typisches Ladenprodukt, das der Kunde nach mehreren Testversuchen auf der eigenen Haut kauft. Der Erfolg von MyParfum gibt der Idee der Gründer heute recht: Der digitale Parfum-Markt wächst und MyParfum hat schon mehr als 80.000 individuelle Duftkreationen verkauft. Einige konnten durch Fashionweeks, Modelabels oder internationale Prominenz großes Renommee erlangen. Die meisten Düfte allerdings wurden von ihren Trägern bewusst geheim gehalten – als ihr persönliches Kleinod.

Der Erfolg der Gründer begann in ihrem Kinderzimmer. Im Elternhaus entwickelten sie ein Duftstoffsystem, das es Laien erlaubt, Parfums zu kreieren. Schon ihre erste veröffentlichte Pressemitteilung, in der sie von ihrem Geschäftsmodell berichteten, stieß auf Resonanz. Nur wenige Tage später waren die Brüder bei einem Berliner Radiosender eingeladen. "Auf einmal ging alles ganz schnell", erinnert sich Matti Niebelschütz. "Anfangs standen wir zu zweit im Rampenlicht – geschult nur durch einen 'PR für Dummies'-Ratgeber. Da merkten wir, dass wir MyParfum professionalisieren müssen". 2009 folgte dann der Umzug in die ersten Büroräume. Im gleichen Jahr gewann das Trio den Business Wettbewerb Berlin-Brandenburg. Das Unternehmen wuchs von da an in einem atemberaubenden Tempo. Mit Finanz- und Medieninvestoren an Bord generierte MyParfum über TV-Werbung zu Weihnachten 2011 eine Umsatzsteigerung von mehr als 300 Prozent; die Mitarbeiterzahl wuchs von anfangs drei auf mehr als 80.

Aufstehen und Weitermachen – Der Weg nach der Insolvenz: 2012 wurde klar, dass die Kosten zu drastisch gestiegen sind. Trotz stabiler Umsätze musste MyParfum Anfang 2013 Insolvenz anmelden. Was erst einmal nach einem Ende klingt, war für die Gründer ein Befreiungsschlag. Mit Hilfe der Unterstützung von Freunden und Familie gelang es Matti Niebelschütz, das Unternehmen aus der Insolvenzmasse zu kaufen.

"Mehr als 88 000 Kunden, Umsatzsteigerungen von 300 bis 400 Prozent und eine Wiederkauf-Quote von über 32 Prozent zeigten uns, dass wir auf dem richtigen Weg waren", so Niebelschütz. "Allerdings sind wir zu schnell gewachsen". Durch die Insolvenz konnten die Kosten von MyParfum auf ein gesundes Niveau zurückgefahren werden. Die Sanierung im Sommer 2013 glückte.

Die Crowd verhilft zu weiteren Projekten und unterstützt Ideen für neue Ausrichtungen. In dieser Zeit kamen auch die Ideen für neue Ausrichtungen. Noch im gleichen Jahr eröffnete MyParfum ein Atelier mit integriertem Labor. Ziel ist es, sich auch im stationären Handel zu etablieren. Zudem entwickelt MyParfum eine Duftbar, mit der das Unternehmen bei den großen Parfümerieketten vor Ort auftreten kann. Die Finanzierung der neuen Ausrichtung stellte das Unternehmen über eine Schwarmfinanzierung auf der Crowdinvesting-Plattform Companisto sicher. Die Idee dabei: Kleine Beträge einzelner addieren sich zu großen Summen und fördern damit Innovation und Wachstum. Gleichzeitig werden die Geldgeber zu Investoren des Unternehmens und damit am Gewinn beteiligt. Der Plan ging auf. Mehr als 1.800 sogenannte Companisten überzeugte das Unternehmensprofil von MyParfum auf der Website von Companisto. In vier Monaten brachten sie mehr als 440.000 Euro zusammen. Damit bot Companisto MyParfum eine sinnvolle Finanzierungsmethode, die nicht nur Fremden, sondern auch Freunden und Stakeholdern, vom Lieferanten bis zum Partner, die Möglichkeit bot, sich an MyParfum zu beteiligen.

Tamo Zwinge, Managing Director bei Companisto, fasst die Vorteile zusammen: "Crowdinvesting ermöglicht es jedem - vom Berufseinsteiger bis zum Profi-Investor - sich an jungen Wachstumsunternehmen zu beteiligen und von ihrer Wertsteigerung zu profitieren. Die Startups erhalten so aber nicht nur Kapital, sondern zusätzliche Mehrwerte: die Companisten steigern die Bekanntheit "ihrer" Unternehmen, werden selbst Kunden oder fungieren gar als Markenbotschafter. Dazu erhalten Startups meist viel Aufmerksamkeit durch Medien und in sozialen Netzwerken";
Die hohe Anzahl an Investoren bedeutet für die Unternehmer einen großen Aufwand. MyParfum informiert seine Companisten regelmäßig über unternehmerische Entscheidungen und Entwicklungen. "Dies ist zeitintensiv, ohne Frage", lacht Niebelschütz. Der enge Austausch mit den Companisten biete dem Unternehmen aber auch viel wertvollen Input, und bringe damit einen richtigen Multitplikatoreneffekt mit sich. Angst vor Mitbewerbern in der Crowd hat Niebelschütz nicht. Es müsse einem bewusst sein, dass Crowdfunding sehr transparent sei. Das individuelle, selbst zusammengestellte Parfum von MyParfum ist weiterhin einmalig. Und heute stehe das Unternehmen so stabil da, wie nie zuvor.

Im Juni 2015 stellte sich My Parfum neu auf und startete unter dem Namen Unique, die weltweit erste Parfümerie-Marke für individualisiertes Parfum. Dabei werden sowohl das Produktsortiment als auch das Vertriebskonzept neu definiert.

Weitere Informationen unter:
www.uniquefragrance.de
www.companisto.com