KTP Kunststoff Palettentechnik GmbH: Finanzinvestor erleichtert Zulieferer globale Präsenz

Die regionale Verwurzelung genossenschaftlicher Banken muss der Unterstützung von Unternehmen bei Internationalisierungsstrategien nicht im Wege stehen. Das belegt die Beteiligung der VR Equitypartner GmbH an der KTP Kunststoff Palettentechnik GmbH: Der genossenschaftliche Finanzinvestor begleitet den saarländischen Behälterspezialisten nach China – nicht nur in finanzieller Hinsicht.

Familie gelangt mit Finanzinvestor zurück zur Mehrheit

Die Gründer hatten die Mehrheit an KTP zwischenzeitlich aus der Hand gegeben. VR Equitypartner, aus zwei Beteiligungsgesellschaften der DZ Bank und der WGZ Bank fusioniert, verhalf der Familie 2011 zur erneuten Mehrheit am Unternehmen. Der Finanzinvestor beteiligte sich mit 49,8%. „Dass die Familie auf diese Weise wieder das Sagen bekommen hat, war für uns sehr sympathisch“, sagt KTP-Gründersohn Andreas Wintrich (48), der das Unternehmen seit 2002 alleine führt. Auch der Finanzinvestor, der seine Zielgruppe im klassischen Mittelstand sieht, fühlt sich in dieser Umgebung sichtlich wohl. „Am liebsten sind uns inhabergeführte Familienunternehmen“, sagt Martin Völker, Mitglied der Geschäftsführung bei VR Equitypartner in Frankfurt am Main.

Von Auslandaktivitäten im Kielwasser zu eigener internationaler Präsenz

Minderheitsbeteiligungen gewinnen nach Völkers Einschätzung an Bedeutung – gerade auch wegen der zunehmenden Internationalisierung. In der Autoindustrie etwa wollen große Produzenten von ihren Zulieferern ins Ausland begleitet werden. KTP kann dafür exemplarisch stehen. Als innovativer Spezialist für mehrwegfähige Transportverpackungen aus Kunststoff ist das Unternehmen ein wichtiger Lieferant des Volkswagen-Konzerns, der sich stark in China engagiert – und die Saarländer folgen ihm. Quasi „im Kielwasser“ ihrer Kunden ins Ausland zu liefern, war für sie bisher der übliche Weg. Das hat sie in vielen Ländern bekannt gemacht. Rund 40% ihres Umsatzes erzielen sie bereits außerhalb Deutschlands – ohne eigene Büros in den jeweiligen Staaten. Sie halten es zunehmend für wichtig, selbst an Ort und Stelle zu sein – aus unterschiedlichen Gründen, von den jeweiligen nationalen Einfuhrregelungen bis zum Bedarf an schnellen Lieferungen, der von Europa aus nicht zu decken ist. Deshalb wollen sie nun die eigene Präsenz. China bildet den Auftakt.

Private Equity hilft bei Expansionsplänen

Unterstützung bei der Internationalisierung durch einen genossenschaftlichen Finanzinvestor wie im Fall von KTP kann auf den ersten Blick überraschend wirken: Schließlich gilt bei den genossenschaftlichen Banken das Regionalprinzip. Doch VR Equitypartner erlegt sich in dieser Hinsicht keine Beschränkungen auf. Das Netzwerk der Genossenschaften kann Mittelständlern nach Überzeugung von Völker auch im Ausland sogar wesentlich weiterhelfen. „Unsere Partner sind keine Kamikaze-Unternehmer“, betont er, „wir haben Familienunternehmer als vorsichtige, abwägende Leute kennengelernt.“ Bei seiner genossenschaftlich orientierten Private-Equity-Gesellschaft sieht er durchaus Unterschiede zu anderen Finanzinvestoren. „Wir wollen langfristige Partner sein und sind zeitlich nicht begrenzt“, sagt er zum Beispiel. Zurzeit hält VR Equitypartner etwa 100 Engagements. Nicht selten kommen die Kontakte über regionale Volksbanken und Raiffeisenbanken zustande.

Ausblick: In anderen Staaten vom Auto zu weiteren Branchen

Trotz der Zugpferdfunktion des Volkswagen-Konzerns in China versucht KTP sein Kundenportfolio zu diversifizieren. Wintrich will für die Transportlösungen seines Unternehmens noch deutlich mehr als bisher schon auch Unternehmen anderer Branchen gewinnen. Die Frage nach dem Exit des Finanzinvestors beschäftigt ihn bisher weniger: „Daran denken wir noch nicht.“ Ähnlich stellt sich VR Equitypartner auf eine Partnerschaft für Jahre ein. Eine Haltedauer von fünf bis sieben Jahren hält Völker ebenso für denkbar wie eine deutlich längere Zeit, falls es die Umstände ratsam erscheinen lassen sollten.

Kurzprofil:

Gründungsjahr: 1987
Unternehmenssitz: Bous
Branche: Logistik
Mitarbeiter: 140
Umsatz 2011: 24,2 Mio. EUR
Internet: www.ktp-online.de

Quelle: Lorenz Goslich, Unternehmeredition