Devolo AG: „Träume muss man realistisch planen“ - Von der Unternehmenssparte zum internationalen Marktführer

Nutzen, was bereits vorhanden ist: Die devolo AG vernetzt mit ihren Powerline-Produkten Gebäude über bereits bestehende Kabel und hat Geräte erfunden, mit denen eine Internet-, Audio- oder Videovernetzung über das hausinterne Stromnetz möglich wird. Mit ihrem Produktsortiment ist das Unternehmen so für private und gewerbliche Kunden flexibel aufgestellt.

Mit der ELSA AG aus Aachen fing alles an: Der Spezialist in den Bereichen Datenkommunikation und Computergrafik hatte sich seit der Gründung 1980 stark entwickelt, den New Economy Boom voll mitgenommen. Der Börsengang 1998 – ein Höhepunkt. Danach brachen der Kapitalmarkt und die großen Erwartungen ein: 2002 musste die ELSA AG schließlich Insolvenz anmelden, nachdem ihr mehrere Banken die Kreditlinie gekündigt hatten. „Wir sahen aber gute Chancen, das vorhandene Wissen und einige erfolgreiche Produkte zu retten“, erinnert sich Heiko Harbers, damaliger Leiter des Geschäftsbereichs Consumer Datenkommunikation bei ELSA und heute Vorstand der devolo AG. Trotz Krise erahnte er großes Potenzial für die Powerline-Lösungen. So entstand im Mai 2002 aus Teilen des Unternehmens ELSA durch ein Management-Buy-out die devolo AG – mit dem Ziel, die Datenkommunikationsprodukte für Endverbraucher weiterzuführen. Doch ohne zusätzliches Kapital hätte man sich auf dem angeschlagenen Markt und umgeben von Wettbewerbern nicht etablieren können.

Private Equity wertvoll in Krisenzeiten

Um die Neustrukturierung der Sparte zu realisieren, musste ein Investor gefunden werden. Harbers entschied sich für die Partnerschaft mit der S-UBG – eine regional arbeitende, von sechs Sparkassen im Rheinland getragene Beteiligungsgesellschaft. Die S-UBG konnte durch ihr Eigenkapital zusätzliche Kredite und eine Menge Expertise beim erforderlichen Umbau des Unternehmens beisteuern. Die Gesellschaft überzeugte Harbers vor allem durch ihr Konzept, ausschließlich Minderheitsbeteiligungen einzugehen und somit die operative Eigenständigkeit des Unternehmens nicht zu berühren, sowie durch ihre Erfahrung und die regionale Vernetzung.

Aus der Krise gelernt: Traum und Realität

Statt auf schnelles und kostspieliges Wachstum setzte devolo auf einen nachhaltigen Expansionskurs: „Wir haben uns auf ganz bestimmte Produkt- und Kundensegmente spezialisiert. Darüber hinausgehende Träume sind zwar wichtig, aber man muss realistisch bleiben und alle Schritte gut durchdenken“, so devolo-Vorstand Harbers. Die S-UBG stand dabei als strategischer Partner zur Seite. Heidemann: „Wir wussten, dass neben marktfähigen Produkten, professionellen Mitarbeitern und der Konzentration auf wachsende Nischenmärkte vor allem Kontinuität und Nachhaltigkeit wesentliche Erfolgsfaktoren sind.“

Vom Wachstum über Internationalisierung zum Exit

Einen weiteren wichtigen Meilenstein stellte die europaweite Ausdehnung des Vertriebsnetzes dar, so dass die Geräte des Herstellers heute nahezu überall erhältlich sind. Seit 2006 verzeichnet das Unternehmen ein durchschnittliches jährliches Wachstum von ca. 30 Prozent und erwirtschaftete 2010 einen Jahresumsatz von über 100 Millionen Euro. Der Erfolg spricht für sich. Im Dezember 2010, nach fast acht Jahren der Zusammenarbeit, kaufte Harbers alle S-UBG-Anteile am Unternehmen zurück. „Die S-UBG Gruppe hat uns viele Jahre begleitet und uns erheblich vorwärts gebracht, die Entwicklung von devolo wurde enorm beschleunigt“, so Harbers. „Dank des umfangreichen Sparkassen-Netzwerks, dem finanziellen Know-how und der konstruktiven Zusammenarbeit mit der S-UBG hat sich devolo zu einem vollwertigen Mitglied der IT–Branche etabliert. Die Beteiligung war für uns somit ein großer wirtschaftlicher Erfolg.“


Unternehmensinformationen:

Standort: Aachen
Gründungsjahr: 2002
Mitarbeiterzahl (aktuell): 120
Umsatz letztes Geschäftsjahr:100.000.000 Euro
Investoren:Sparkassen Unternehmensbeteiligungsgesellschaft (S-UBG) Aachen
Beteiligungszeitraum: Mai 2002 bis Dezember 2010