Derby Cycle: Elektroräder auf dem Vormarsch

Bei steigenden Sprit-Preisen, dem Chaos um den Kraftstoff E 10 und langen Staus im Dickicht der Großstadt wird das Umsteigen auf ein Fahrrad noch attraktiver. Die ohnehin schon boomende, wenn auch stark wetterabhängige Branche bekommt weiteren Rückenwind. Auch das gestiegene Umwelt- und Gesundheitsbewusstsein vieler Menschen trägt dazu bei, dass das Fahrrad in Deutschland zum absoluten Trendtema avanciert – insgesamt 69 Millionen Räder rollen laut dem Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) inzwischen auf Deutschlands Straßen, 30 Millionen davon regelmäßig.

Das sind gute Nachrichten – auch für den Cloppenburger Fahrradhersteller Derby Cycle. Das Unternehmen hat im Geschäftsjahr 2009/2010 einen Umsatz von mehr als 173 Millionen Euro erzielt und ist damit Deutschlands umsatzstärkster Fahrradhersteller. Im boomenden Segment der E-Bikes hat Derby Cycle die führende Marktstellung erreicht.

Vom kleinen Familienunternehmen zum deutschen Marktführer

Wegbegleiter bei diesem Erfolg des einstigen Familienunternehmens war über viele Jahre die Beteiligungsgesellschaft Finatem. Vor vier Jahren begann Derby Cycle mit der ersten Serienproduktion von E-Bikes und setzte damit einen wichtigen Grundstein für den heutigen Erfolg in diesem Segment. Zudem sollte die Bekanntheit des Konzerns international gesteigert, der europaweite Radvertrieb ausgebaut und Distributionspartner gewonnen werden. Finatem war hierbei stets ein starker Partner, der neben Kapital auch wertvolles Know-how für die Expansion mitbrachte. Ergebnis für Derby Cycle: eine führende Position am Markt und ein Anstieg der Mitarbeiter von 360 auf rund 550 Angestellte.

Als Heinrich Kalkhoff vor über 90 Jahren den Grundstein für den heute so erfolgreichen Konzern legte, hätte er sich vermutlich nicht träumen lassen, welche innovativen Wege das Unternehmen später einschlagen würde. Vom einstigen Fahrradreifen- und Gebrauchträderverkauf steigerte sich die Firma stetig. 1988 wurden schließlich die Derby Cycle Werke gegründet, Fahrradmarken wie Rixe und Focus wurden in den Konzern integriert. Im Jahr 2007 begann die Serienproduktion der Elektrofahrräder. Heute bieten die batteriebetriebenen Räder mit Geschwindigkeiten von bis zu 25 oder 40 km/h alltagserprobte Elektro-Mobilität. Die Batterietechnologie hat sich stets weiterentwickelt, sodass heute mit einer Akku-Ladung bis zu 140 Kilometer Reichweite möglich sind und sich die Lebensdauer alleine im vergangenen Jahr auf 1.100 Ladezyklen verdoppelt hat. Und auch das Image hat sich stark gewandelt: galten die Elektroräder vor einigen Jahren noch als Fahrräder für die reifere Generation, entdecken mittlerweile auch immer mehr Pendler den Vorteil dieses Fortbewegungsmittels. Statt verschwitzt und außer Atem im Büro anzukommen, fahren die Elektroradnutzer entspannt und gemütlich morgens zur Arbeit. Die Zahl der E-Bike-Käufer nimmt immer mehr zu, im letzten Jahr hatten von 431.000 verkauften Derby Cycle Rädern 44.000 einen Elektroantrieb.

Die Zukunft liegt in den Pedalen

Mathias Seidler, Vorstandsvorsitzender von Derby Cycle, ist überzeugt, dass Derby Cycle und Finatem in den vergangenen Jahren gemeinsam den richtigen Weg gewählt haben. „Wir haben uns auf den Fachhandel konzentriert und gezielt in die Themen E-Bike und Internationalisierung investiert. Der Erfolg gibt uns Recht.“ Ein weiterer Schritt in diese Richtung erfolgte am 4.2.2011 – an diesem Tag ging Derby Cycle an die Börse und legte als erster Börsengang des Jahres einen guten Start hin. Davon will Derby Cycle künftig profitieren: International möchte der Fahrradhersteller noch mehr mitmischen und weiter investieren, zum Beispiel in die Entwicklung der E-Bikes oder der Karbon-Technologie sowie in die internationalen Vertriebsstrukturen.