Cognis GmbH: Langfristiges Investment führt zu erfolgreichem internationalem Wachstum

Man konnte es überall in den Zeitungen lesen: Im Juni 2010 wurde das Spezialchemieunternehmen Cognis an den BASF-Konzern verkauft. Cognis beschäftigt in Deutschland mehr als 2000 – weltweit sogar 5500 – Mitarbeiter und verzeichnete zuletzt einen Jahresumsatz von rund 2,6 Mrd. €. Das Unternehmen wurde fast zehn Jahre lang von Beteiligungsgesellschaften finanziert und ist eine Erfolgsgeschichte für Private Equity in Deutschland.

Cognis besitzt fast 60 Tochtergesellschaften in der Standard- und Spezialchemie und hat Kunden u.a. in der Ernährungs- und Kosmetikindustrie sowie in der Textil- und Kunststoffbranche. Das Unternehmen wurde 1999 als 100-prozentiges Tochterunternehmen des Düsseldorfer Waschmittel- und Klebstoffkonzerns Henkel gegründet, der den Unternehmensbereich Chemieprodukte ausgliedern wollte. Bereits ein Jahr später entschied Henkel, Cognis zu verkaufen, um sich voll und ganz auf seine Kerngeschäftsfelder konzentrieren zu können. Neue Eigentümer wurden die Private Equity-Gesellschaften Permira und Goldman Sachs Capital Partners.

Einstieg von Private Equity mit dem Ziel einer erfolgreichen Restrukturierung

Strategie der neuen Eigentümer waren ein tiefgreifender organisatorischer Umbau und eine Stärkung der Marktposition durch Zukäufe. Am Ende – so lautete die Vision – werde Cognis ein Spezialchemikalienhersteller mit starker, weltweiter Präsenz bis in die lokalen Märkte hinein sein. Ein Chemieunternehmen, das kundennah agiert und durch Innovationskraft im Wettbewerb gewinnt.

Begleitet von den beiden Eigentümern begann in den Folgejahren der Umbau von einer wenig fokussierten, „beinahe unbeliebten“ Konzernabteilung hin zu einem weltweit führenden Unternehmen in der grünen Chemie. Unrentable Geschäftsfelder wurden veräußert, neue Kerngeschäftsfelder und regionale Einheiten in den Wachstumsmärkten gekauft und schließlich erfolgreich integriert. Schritt für Schritt entstand auf diese Weise ein Unternehmen mit robustem Geschäftsmodell und einem auf Kundennähe in den Wachstumsmärkten fokussierten Portfolio.

Im Frühjahr 2003 kaufte Cognis das britische Unternehmen Laporte Performance Chemicals mit dem Ziel, seine Marktposition in Großbritannien zu verbessern. Es folgten 2004 erste Schritte zur Verbesserung der Organisationsstruktur des Unternehmens. „Die fünf strategischen Geschäftseinheiten erhielten die Verantwortung für alle marktrelevanten Geschäftsprozesse einschließlich Research and Technology, Produktion sowie Teilen des Einkaufs und des Supply-Chain-Managements“, berichtet Dr. Antonio Trius, Geschäftsführer von Cognis. „Damit wollten wir die Markt- und Kundenorientierung noch konsequenter umsetzen.“ Dabei wurde der Unternehmenssitz erneut verlegt, ins nordrhein-westfälische Monheim.

Auf den ersten Zukauf folgten weitere: 2006 übernahm Cognis den britischen Polymerspezialisten Cosmetic Rheologies sowie den norwegischen Zulieferer für die Nahrungsmittelindustrie, Napro Pharma AS. Mit der Übernahme von Napro Pharma stärkte Cognis seine Position als weltweit führender Anbieter von natürlichen Inhaltsstoffen für Nahrungsergänzungsmittel.

Unternehmensentwicklung von Beginn der Beteiligung an positiv

Im Sommer 2006 war der Verkauf beziehungsweise der Börsengang von Cognis im Gespräch. Permira und Goldman Sachs Capital Partners haben sich nach gründlichem Abwägen jedoch bewusst dafür entschieden, ihr Investment weiterzuführen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich Cognis bereits ausgezeichnet entwickelt und war auf dem besten Weg, ein wettbewerbsstarker Global Player in der grünen Chemie zu werden.

Vier weitere Jahre blieb Cognis in den Händen der Beteiligungsgesellschaften. In dieser Zeit wurde u.?a. das Managementboard vergrößert und wurden Tochtergesellschaften in Indien und Malaysia gegründet. Doch nicht nur Zukäufe wurden getätigt: 2008 trennte sich Cognis von margenschwachen Geschäftsbereichen im dreistelligen Millionenbereich. Kaum war der Spartenverkauf abgeschlossen, belastete die Wirtschaftskrise Cognis – wobei das Unternehmen, bedingt durch sein Portfolio, nicht nur vergleichsweise glimpflich davonkam, sondern, als eines der wenigen Chemieunternehmen auf der Welt, das Geschäftsjahr 2009 mit steigenden Ertragszahlen abschließen konnte. Kundennähe, ein robustes Produktportfolio und eine starke Marktposition machten Cognis dabei weniger abhängig von Konjunkturzyklen als etwa die Petrochemie (Herstellung von chemischen Produkten aus Erdgas und Erdöl).

Das Geschäftsjahr 2010 war für Cognis das mit weitem Abstand erfolgreichste Jahr in der Firmengeschichte. Nicht zuletzt ein Grund, weshalb das Unternehmen auch für andere attraktiv wurde. Im Juni 2010 erfolgte dann der Verkauf an die BASF für einen Preis von 3,1 Mrd. €. BASF stärkte mit der Übernahme seine Position bei Spezialchemieprodukten, die in Reinigungsmitteln, Kosmetika und Körperpflegeprodukten verwendet werden.