BWK Chemiefaser GmbH: Traditionshaus wird zu größtem Chemiefaser-Veredler in Europa

Jeder kennt es: Die allmorgendliche Frage vor dem Kleiderschrank: Was ziehe ich an? Ob sportlich oder schick, Sommer oder Winter – alle in der heutigen Zeit produzierten Kleidungsstücke zeichnet eines aus: Sie sind allesamt aus den gleichen Grundstoffen – weiche, hautfreundliche Faserprodukte. Diese produziert die BWK Chemiefaser GmbH (BWK CF) und steht dabei im Wettbewerb mit nur zwei weiteren Anbietern in ganz Europa.

Weltbekannte Wollkämmerei umgewandelt

Die BWK Chemiefaser GmbH (BWK CF) wurde im Jahr 2005 aus der Bremer Wollkämmerei AG in Bremen-Blumenthal ausgegründet und hat sich in der Folge zu einem der größten europäischen Veredler von Chemiefasern entwickelt. Schon die Mutterfirma war weltweit bekannt und hoch geschätzt, doch brach mit zunehmendem Preisdruck dem 1883 gegründeten Unternehmen der Absatzmarkt weg. Einziger Hoffnungsschimmer war die Sparte Chemiefaser – für die Kammgarnindustrie stellt die BWK CF sogenannte Langstapel-Tops her. Das sind Vorprodukte zur Fertigung von Kammgarnen, aus denen wiederum Anzüge, Sweater, Socken oder Unterwäsche entstehen. Der australische Großinvestor Elders Global Wool Holding, der bereits im Jahr 2000 einstieg, um die Wollkämmerei zu retten, zog sich jedoch acht Jahre später aus Deutschland zurück. Damit stand die Zukunft der BWK Chemiefaser auf Messers Schneide.

Mutiger Schritt führte zum Management Buy-out

Mit einer mutigen Entscheidung wagten sich Gerhard Müller, Vorstand der BWK AG und Matthias Mantwill, Geschäftsführer der BWK CF auf neues Terrain: Sie waren vom Erfolg des Unternehmens überzeugt und beschlossen mithilfe eines Management Buy-Outs die BWK Chemiefaser zu erwerben. „Es war für uns ein völliger Neubeginn“, sind sich die beiden Jungunternehmer Müller und Mantwill einig. „Obwohl absolute Planungsunsicherheit bestand, haben wir immer an die Geschäftsidee geglaubt. Das Unternehmen arbeitet in einem interessanten Markt, in dem es nur wenig Konkurrenz gibt.“ Nach langen Verhandlungen mit dem australischen Investor ist dem Team im Juni 2010 der MBO geglückt. Dazu beigetragen hat auch die nwu Unternehmensbeteiligungsgesellschaft nordwest (nwu), die das MBO mit einer Minderheitsbeteiligung mitfinanzierte. In der nwu, Tochtergesellschaft der Sparkasse Bremen konnte ein Partner gewonnen werden, der gemeinsam mit der nwk Nordwest Kapitalbeteiligungsgesellschaft in mittelständische Unternehmen investiert. Der eiserne Wille hat sich ausgezahlt: Heute beschäftigt die BWK Chemiefaser 53 Mitarbeiter auf dem Gelände der Bremer Wollkämmerei in Bremen-Nord und setzt einen Großteil ihrer mehr als 150 verschiedenen Erzeugnisse in Europa ab. Im Geschäftsjahr 2009/2010 konnte ein Umsatz von 20 Millionen Euro erzielt werden. „Sowohl das Geschäftsmodell als auch das engagierte Management haben uns sofort begeistert und die ersten Monate der gemeinsamen Zusammenarbeit zeigen, dass sich der lange Verhandlungsmarathon gelohnt hat“, so Ralf Paslack, Geschäftsführer der nwu. Und auch das nächste große Vorhaben steht schon ins Haus: Mit einem neuen Krempel, einer Maschine zum Ausrichten loser Textilfaser, wollen die beiden Geschäftsführer in modernste Veredelungstechnologie investieren.


Unternehmensinformationen:

Standort:Bremen
Gründungsjahr:2005
Mitarbeiterzahl (aktuell):53
Investoren:nwu nordwest Unternehmensbeteiligungsgesellschaft der Sparkasse Bremen mbH (nwu) und Privatinvestoren
Beteiligungszeitraum:seit 2010