Annova Systems GmbH: Broadcast für die ganze Welt

Täglich, 20.00 Uhr: Mehrere Millionen Deutsche verfolgen gespannt die Nachrichten der Tagesschau. Die Beiträge sind das Resultat eines komplexen Ablaufs im sogenannten „Newsroom“. Agenturmeldungen aus aller Welt, Bild- und Videomaterial sowie Archivdokumente müssen aufbereitet, in ihrem zeitlichen Ablauf verknüpft und die Schnittstellen zu den Produktions- und Sendeanlagen gesteuert werden.

Für diesen reibungslosen Ablauf sorgen hinter den Kulissen Redaktionssysteme, die softwaregesteuert die Planung und Gestaltung der Beiträge übernehmen. Im Falle der ARD erfolgt dies mit OpenMedia der Annova Systems GmbH aus München.



Das Produkt OpenMedia hatte bereits eine ereignisreiche Geschichte hinter sich, als Anfang 2008 das heutige Unternehmen als Spin off aus einem Tochterunternehmen der französischen börsennotierten Dalet S.A. entstand. Die 1989 gegründete Vorgängergesellschaft wurde nach einem Verkauf an ein norwegisches Unternehmen von der Dalet S.A. übernommen, die ebenfalls den Markt für Redaktionssysteme bediente. Die damalige Strategie sah vor, dass der Mutterkonzern die kleineren Sendeanstalten bedient und die zugekaufte deutsche Tochter sich auf die großen Sender fokussiert. Harmonisch war diese „Ehe“ nie, da die erhofften Synergien nicht zum Tragen kamen.

Das von der Muttergesellschaft für die Tochter eng geschnürte Korsett mit der Ausrichtung auf den deutschsprachigen Raum, behinderte die Unternehmensentwicklung und gab den Anstoß für den Spin Off. Immerhin hatte das Management vor dem Aufkauf durch die Dalet bereits gezeigt, dass auch internationale Märkte erfolgreich bedient werden konnten.

Ideale Voraussetzungen für einen MBO

Nach positiven Signalen von der Muttergesellschaft, dass ein Management Buy-out (MBO) gegenüber einem Trade Sale eine Option darstellen könnte, begann die Suche nach Kapitalgebern. Da der Kaufpreis durch das Management nicht gestellt werden konnte, wurden unter Mithilfe der Finance-Beratung Proventis Kontakte zu Investoren geknüpft.

Als ein geeigneter Partner erwies sich die S-Partner Kapital AG aus München, deren Gesellschafter bayerische und saarländische Sparkassen sind. Zudem ist die S-Partner Kapital auf Übernahmen im Small-Cap-Bereich spezialisiert. „Für uns waren die Voraussetzungen ideal“, beschreibt Thomas Gerstner, Beteiligungsmanager bei der S- Partner Kapital AG den Erstkontakt zum Unternehmen. „Ein hochmotiviertes Team, das endlich ‚die Fesseln‘ der Einbindung in den Mutterkonzern sprengen wollte. Uns schreckte auch nicht die relativ geringe Umsatzgröße von damals knapp 3,5 Mio. Euro, da wir an die Wachstumspotentiale glaubten und die Cash-Flow- Situation attraktiv war.“

Die Beteiligungsphilosophie der S-Partner Kapital erwies sich als attraktiv, da das MBO-Team die Mehrheit am Unternehmen wollte und die Übernahme als langfristiges Investment betrachtete. „Wir stießen bei der S-Partner Kapital sehr schnell auf Verständnis für unsere unternehmerischen Ziele“, erläutert Michael Schüller, geschäftsführender Gesellschafter der Annova die Zusammenarbeit, die einer Dringlichkeit unterlag, da die Gefahr bestand, dass die Muttergesellschaft einen Trade Sale – eine Veräußerung der Unternehmensanteile an einen industriellen oder strategischen Investor - bevorzugen würde. Zusammen mit den Eigenmitteln des MBO-Teams und Eigenkapital des Investors konnte der Deal strukturiert werden: 62 Prozent Anteile hält seither das MBO Team und 38 Prozent die S-Partner Kapital.

Spin off setzt unternehmerische Kräfte frei

Die Entscheidung, die Transaktion als Asset Deal, also als Erwerb einzelner Wirtschaftsgüter anstelle von Anteilen eines Unternehmens, zu strukturieren, erwies sich nur kurzfristig als Nachteil, da die übernommenen Kundenaufträge einzeln bestätigt werden mussten. Dies stellte eine Herausforderung dar, da sich die formalen Abläufe bei den öffentlichen Auftraggebern als langwierig erwiesen. Mittelfristig war diese Transaktionsstruktur jedoch vorteilhaft, da die Abschreibungspotentiale optimiert und zur erheblichen Stärkung des Cash Flows herangezogen werden konnten.

„Wir sind sehr zufrieden mit unserer Beteiligung“, erläutert Gerstner. „Bereits nach ca. 2,5 Jahren war das Unternehmen schuldenfrei, weil die Akquisitionsfinanzierung vorzeitig zurückgeführt werden konnte.“ Die Strategie, nach Übernahme die internationale Expansion zu forcieren, ging voll auf. „Für uns war die Übernahme ein Befreiungsschlag“, sagt Michael Schüller, „wir haben klare Ziele vor Augen sind hochmotiviert.“ So konnte der bereits hohe Marktanteil in Deutschland ausgebaut werden und auf internationaler Bühne wird Annova als ernster Wettbewerber auf: Mittlerweile erstellen15.000 Anwender ihre täglichen „News“ auf OpenMedia. Seine Vision formuliert Schüller selbstbewusst: „Wir wollen die Standards setzen in der internationalen Broadcastindustrie.“

Info-Kasten:

Unternehmen: Annova Systems GmbH
Standort: München
Gründungsjahr:2008
Mitarbeiterzahl (aktuell): 25
Umsatz letztes Geschäftsjahr: ca. 4,5 Mio €
Investoren:S-Partner Kapital AG, Management
Beteiligungszeitraum: seit 2008