Anlagenspezialist MWM GmbH: Mit Biogasmotoren in die Zukunft

Was für Automobilbauer gilt, gewinnt auch in der Welt der Großmotorenhersteller an Bedeutung: Energieeffiziente Systeme geben zunehmend den Ton an. In niederländischen Gewächshäusern sorgen beispielsweise Gasmotoren nicht nur für die richtige Temperatur bei der Pflanzenaufzucht, sondern düngen mit gereinigtem CO2 aus den Abgasen junge Tomatenstauden. Bei der Entwicklung dieser ganzheitlichen Systeme – deren Herz ein Hochleistungsmotor ist – spielen die Motoren-Werke Mannheim (MWM) ganz vorn mit.

Früher als andere in der Branche hat das mittelständische Traditionsunternehmen die wachsende Bedeutung von Sondergasen, wie sie in Bergwerken, Mülldeponien die den Biogasanlagen entstehen, erkannt. Mit der Beteiligungsgesellschaft 3i an Bord ist MWM zu einem der Weltmarktführer für effiziente Antriebssysteme zur Energieerzeugung und Kraft-Wärme-Kopplung aufgestiegen. „Unsere Motoren sind auf der Biogasseite genauso interessant wie auf der Erdgasseite. MWMs Gasmotoren erbringen eine vergleichbare Leistung, egal ob sie mit Erdgas oder Biogas befeuert werden“, sagt Peter Grosch, Vorsitzender der MWM-Geschäftsführung. MWM beschäftigt weltweit mehr als 1100 Mitarbeiter und erreichte im Geschäftsjahr 2009/10 einen Umsatz von rund 345 Mio. €. Bereits heute zählt der baden-württembergische Maschinenbauer zu den führenden Anbietern von Anlagen zur unabhängigen Energieerzeugung. Weltweit sorgen MWM-Aggregate z.B. in Krankenhäusern, Shoppingmalls und Computerchipfabriken für eine störungsfreie dezentrale Energieerzeugung.

DEUTZ Power Systems wird zu MWM

Bis vor drei Jahren war MWM allerdings längst nicht so gut aufgestellt: Es fehlte nicht nur an einer internationalen Vertriebsstruktur, sondern auch am Willen der einstigen Muttergesellschaft, in den badischen Standort zu investieren. Im Gegenteil: Die Kölner DEUTZ AG, die das einst vom Autoerfinder Carl Benz gegründete Unternehmen 1985 übernommen hatte, musste selbst einen strikten Sanierungskurs fahren und bot im Frühjahr ihre Mannheimer Tochter DEUTZ Power Systems zum Verkauf an. „Die Mitarbeiter hier im Stammwerk Mannheim waren vor eine Situation gestellt, die ihnen Angst machte und mit der alle erst einmal umzugehen lernen mussten“, erinnert sich der MWM-Gesamtbetriebsrat Michael Klatt zurück. Über 30 Interessenten meldeten sich Motorenspezialisten kaufen wollten.

Den Zuschlag erhielt letztlich der Private Equity-Investor 3i, weil sein Konzept sowohl Management als auch Arbeitnehmervertretung überzeugte. Angesichts steigender Rohstoffpreise, wachsenden Energieverbrauchs und knapper werdender Erdölressourcen erkannte die aus Großbritannien stammende Beteiligungsgesellschaft das Potenzial von MWM. Um MWM im Sektor der erneuerbaren Energien breit aufzustellen, versprach der neue Finanzier nicht nur umfangreiche Investitionen in die Produktionsanlagen, sondern ebenso den Aufbau globaler Vertriebsstrukturen. Auch sprach 3i der Belegschaft eine Standortgarantie aus, sicherte ihr die betriebliche Mitbestimmung über den Aufsichtsrat zu und schloss betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2011 aus. Die Arbeitnehmervertreter votierten geschlossen für den Einstieg des Finanzinvestors 3i.

Beteiligungskapital finanziert Innovationen

Seither geht es mit dem Mittelständler aufwärts: Ein altes Straßenbahndepot wurde für 1,7 Mio. € zur Werkshalle umgebaut und Vertriebs- und Servicestandorte etwa in Österreich gegründet, um die lukrativen ostmitteleuropäischen Märkte zu erschließen. Seit MWMs Akquisition durch 3i wurde die Belegschaft um 28% vergrößert. Die Beteiligungsgesellschaft 3i stellte MWM neben Kapital aber auch ihre internationalen Verbindungen zur Verfügung und half bei der Ansprache möglicher Kooperationspartner in Übersee.

Heute ist MWM mit elf Tochterunternehmen u.a. in China, Singapur und Nordamerika bestens aufgestellt und die Perspektiven für das Unternehmen sind rund um den Globus gut. „Die Kunden sind überzeugt von den effizienten Gasmotoren und Systemen, die einen hohen Kundennutzen versprechen und die Energieerzeugung mit Wirkungsgraden von über 90% unschlagbar effizient machen“, ist MWM-Chef Grosch überzeugt. „All das konnten wir durch die erfolgreiche Zusammenarbeit mit 3i realisieren.“

Strategischer Käufer bietet weitere Wachstumsplattform

Am 22. November gab 3i den Verkauf der MWM an das US-amerikanische Unternehmen Caterpillar bekannt. 3i erzielt durch den Verkauf der MWM das 2,2-fache des eingesetzten Kapitals, was einer jährlichen Verzinsung (IRR) von über 25% entspricht. Der Abschluss der Transaktion wird vorbehaltlich der endgültigen Zustimmung der Aufsichtsbehörden in den kommenden Monaten erwartet. „Wir freuen uns sehr über die Entwicklung von MWM in den vergangenen drei Jahren. In enger Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung und den Mitarbeitern von MWM haben wir viele strategische und operative Verbesserungsinitiativen entwickelt und umgesetzt. Wir haben zudem signifikante Investitionen in Produktionsanlagen, die Forschungs- und Entwicklungsplattform des Unternehmens sowie in das Distributionsnetzwerk getätigt. Heute hat MWM hoch qualifizierte und motivierte Mitarbeiter, erst-klassige Produkte sowie eine hocheffiziente Vertriebs-organisation und ebenso effiziente Produktionsanlagen“, sagt Peter Wirtz, Partner und Geschäftsführer von 3i Deutschland. „Nach unserer erfolgreich abgeschlossenen Mission zur Neupositionierung von MWM sind wir fest vom langfristigen Erfolg des Unternehmens unter dem Eigentümer Caterpillar überzeugt“, so Wirtz weiter.